Unser kleines Stimmenhörerjournal
Inhalt Ausgabe 3/99
September 1999
Rundbrief Netzwerk Stimmenhören e.V.
3. Jahrgang
INHALT
Impressum
NeSt von innen
STIMMEN
TROTZDEM
Zu noons Geschichte
Telepathie
Spirituelle Erneuerung in der christlichen
Kirche als Gefahr?
Stimmenhören im Wandel
Leserbrief
Rezension aus Soziale Psychiatrie...
...in der Internetausgabe nicht enthalten
INTERVOICE
Mitglied werden
im NeSt
Literaturhinweise
Impressum
UNSER KLEINES STIMMENHÖRERJOURNAL
Rundbrief des Netzwerks Stimmenhören e.V. (NeSt)
Herausgeber
Netzwerk Stimmenhören e.V. c/o SEKIS
Albrecht-Achilles-Str. 65, 10709 Berlin
Tel/Fax: 030-8916085 nur dienstags 16 bis 19 Uhr
e-mail: stimmenhoeren @gmx.de
Internet-Homepage: www..stimmenhoeren.de
Redaktion
Monika Bessert, Hannelore Klafki, Onno Mülder,
Dieter Schwenk, Imke Skierlo, Spoky
Koordination
Hannelore Klafki
Erscheinungsweise
vierteljährlich, zum Ende des Quartals
Bezugspreis
Jahresabo incl. Zustellung 20 DM
Förderabo 40 DM
Einzelheft 3 DM (plus 1,50 DM Porto)
Für NeSt-Mitglieder ist Unser kleines Stimmenhörerjournal
im Mitgliedsbeitrag enthalten
Bankverbindung
Postbank Berlin BLZ 10010010 Kto-Nr. 809101-103
Sämtliche persönlich gekennzeichneten Beiträge
entsprechen nicht unbedingt der Meinung des Vorstands oder der Redaktion
NeSt von innen
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Ein zentrales Anliegen des Netzwerks Stimmenhören
ist, den Austausch zwischen stimmenhörenden Menschen zu fördern,
mit Interessierten eine Diskussion zu eröffnen und die Öffentlichkeit
über das Phänomen Stimmenhören zu informieren. Aus diesem
Grund veranstalten wir - wie im letzen Heft schon angekündigt -
am 3. und 4. Dezember einen internationalen Kongress in Berlin unter
dem Thema Stimmenhören im Wandel. Parallel dazu wird das jährliche
Treffen des internationalen Netzwerks Intervoice diesmal in Berlin stattfinden.
Das ausführliche Tagungsprogramm ist ab Seite 14 abgedruckt.
Wir freuen uns immer sehr, wenn wir Beiträge für
unser Journal bekommen. Wie breit das Spektrum der Meinungen in unserem
Netzwerk gestreut ist, bemühen wir uns immer wieder durch sehr
unterschiedliche Beiträge zu veranschaulichen. Wir bekamen erstaunlich
viele Reaktionen auf den Beitrag von Wiltrud Henningsen (Stimmenhören
und Psychose). Zwei Menschen ließen sich z.B. daraufhin die Satzung
und das Beitrittsformular schicken, einer möchte unbedingt Kontakt
zu Wiltrud Henningsen und eine hat einen sehr ungehaltenen Leserbrief
geschrieben. Wir wollen keine Zensur ausüben, haben diesen Brief
abgedruckt (Seite 21) und hoffen gleichzeitig, dass wir dadurch die
Diskussion zum Thema Stimmenhören und Erfahrungen mit der Psychiatrie
eröffnen.
Im Juli und August konnten wir wieder zum einen in der
Psychosozialen Arbeitsgruppe des Bezirks Berlin-Wilmersdorf und zum
anderen auf einer Fortbildungsveranstaltung vom Krankenhaus Berlin-Neukölln
- unser Netzwerk vorstellen.
Im September gab es in Berlin-Spandau eine Gesundheitskonferenz.
Wege aus der Klinik. Auch hier waren wir mit einem Infotisch vertreten
und konnten durch ein Referat und eine Arbeitsgruppe auf unser Netzwerk
hinweisen.
Das Deutschlandradio Berlin hat im Vormittagsprogramm
die Sendung Natur und Wissenschaft. Hier war am 15. 09. das Thema: Geister
im Kopf - woher kommt das Stimmenhören?. Der Mitschnitt kann gegen
Einsendung von DM 5,- in Briefmarken über unsere Berliner Adresse
bestellt werden.
Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie
hat in ihrem Rundbrief Soziale Psychiatrie unter der Rubrik Fachzeitschriften
im Überblick eine Rezension über Unser kleines Stimmenhörerjournal
abgedruckt. Wir haben uns darüber sehr gefreut und wollen soviel
Lob unseren Lesern nicht vorenthalten (Seite 23).
Das nächste Journal wird nach unserem Kongress erscheinen.
Wir hoffen, dass wir in der Lage sein werden, einige Referate abzudrucken.
Es wird aber sicher - wie vor zwei Jahren - eine Sammlung der Vorträge
geben, die über unser Büro in Berlin bestellt werden kann.
Wir wünschen allen unseren LeserInnen einen wunderschönen
Herbst und hoffen sehr, dass wir uns alle im Dezember auf unserem Kongress
wiedersehen werden.
Mit freundlichem Gruß
für die Redaktion
Hannelore Klafki
STIMMEN
von Imke Skierlo
STIMMEN
SIE überein
mit dem, was SIE
wahrnehmen?
Stimmen
SIE sich ein
auf das, was SIE hören?
Stimmt es,
was die Stimmen
sagen?
Gelingt es Ihnen,
sich einzustimmen
auf das,
was Ihr Herz Ihnen sagt?
Trotzdem?
Imke Skierlo
Trotzdem
von Imke Skierlo
Trotzdem
sehenden Ohres
durch die Welt gehen...
Egal, was die Stimmen
für Kommentare geben.
Sich freuen am Lachen
eines Kindes,
lesen in den Runzeln
eines Alten,
das eigene Potential
der Liebe
...entdecken
Trotzdem hören,
was mich umgibt:
die Vögel,
den Wind,
die Kinder auf der Straße.
Und nicht nur das Klopfen
des eigenen Herzens,
angstvoll,
wenn die Stimmen
im Kopf
nötigen zuzuhören,
lähmen,
peinigen...
Trotzdem...leben!
Imke Skierlo
Zu Noons Geschichte
(veröffentlicht im Stimmenhörerjournal
1/98 und 1/99)
Intimes aufgelesen - auf dem Wege vom Stimmenhören
zu einer interaktiven Sprache
Meine innere Stimme, die sprachlich orientierte, spricht für und
mit allen in Frage kommenden Stimmentypen. Sie erledigt für mich
die Innenarbeit. Auch so, wie später beschrieben, kann sich meine
innere Stimme melden.
Kurz bevor ich so etwas schreibe, werde ich unruhig, achte darauf, nicht
gestört zu werden, und schreibe auf, was mir mein Intimus diktiert,
also regelrecht in die Feder gibt. Zuvor möchte ich darauf hinweisen,
dass ich in zirka sechs Jahren meine eigene innere Verständigungsweise
erarbeitet habe.
Ich habe mich vor einigen Jahren entschieden, keine Innenpersonen aufzubauen
und ihnen Namen zu geben, sondern durchkommende personenbedingte charakteristische
Eigenschaften abzubauen. Damit die innere Verständigung möglich
wird, habe ich eine interne Ansprechbarkeit mit meinem Intimus verabredet.
Es geht um das ICH, das DU, das WIR und das IHR.
Das Ich und das Du gilt wechselseitig. Ich beziehungsweise Du bin ich
also mit meinem Außenbewußtsein. Ich verwende es nur (nach
innen gesehen natürlich) in bezug zu meinem Innenbewusstsein. Das
Außenbewusstsein repräsentiere ich selbst. Das Innenbewusstsein
wird von meinem Intimus mit wahrgenommen. Die Arbeit ist also deutlich
verteilt: in Außenarbeit für meine äußere Lebenswelt
und Innenarbeit für meine innere Lebenswelt. Das Wir und das Ihr
deuten schon an, was gemeint ist. Sie sind ebenso nach innen gerichtet
und haben sich für die Ansprechbarkeit der inneren Verschiedenheit
bewährt. Bis zur vollständigen Integration dieser inneren
Ordnung habe ich niemals zu anderen Personen ein Sterbenswörtchen
darüber verloren. Ich hatte auch nicht das Bedürfnis, es zu
tun. Die Grundlage war eine vor etwa acht Jahren erlebte Vision. Es
hat lange gedauert, bis ich diese Ordnungsgrundlage herausgearbeitet
hatte. Viel später, nachdem ich mit dem Ich, Du, Wir schon länger
arbeitete, kam das Ihr hinzu.
Jetzt bin ich mir sicher, dass ich von einer sprachlichen inneren Allgemeingültigkeit
ausgehen darf. Ich habe das Ihr für Stimmen reserviert, die nicht
von sich aus sprechen dürfen. Sie werden von meinem Intimus nur
für besondere Maßnahmen aufgerufen. Es sind die Stimmen,
die sich so anhören, als ob sie von außen kämen. Mit
ihnen gibt es die meisten Probleme, sie konnten (und durften auch) nicht
integriert werden. Zu diesen Außenstimmen lehne ich ein wechselseitiges
Gespräch ab. Alles, was da abläuft, wird von meinem Intimus
bearbeitet, ich halte mich dann zurück. Diese Arbeit über
Versuch - Irrtum oder Erfolg - hat einige Jahre gedauert. Jetzt kann
ich mir auch meiner sprachlich orientierten inneren Stimme sicher sein.
Jetzt folgt also unzensiert von meinem Außenbewußtsein,
was mir meine innere Stimme irgendwann im Jahr 1998 so in die Feder
gegeben hat, nebenher sprachlich hörbar, so dass ich dann weiß,
was ich schreibe. Jedoch habe ich keinen bewussten Einfluss genommen.
Meine neugewonnene Freiheit, meine Gedanken zu denken, meine Freiheit,
die fremden Gedanken zu sortieren, ja beiseite zu legen - wer kann das
schon! Ich, ich meine nicht Du, nicht Wir, nicht Ihr, ich meine mich
selbst - wer kann das nur? Ich wurde mein eigener Fachmann, im Herauslösen
aus dem Volkesbewusstsein, ja gar des Menschheitsbewusstseins. Ich will
wieder Ich-Selbst sein! und doch verbunden sein mit Euch. Wie geht das
nur?
Ich weiß es jetzt! Meine innere Ordnung bekam wieder Vorrang,
ich bin nicht mehr verwirrt von all den Anfeindungen sowohl von innen
wie von außen. Ich melde mich an beim Anspruch an die Gesellschaft,
nicht mehr umgekehrt. Ich bin nicht mehr im Wir gefangen, und im Ihr
schon gar nicht. Ich nehme wieder mein eigenes Ich bin ich selbst-Bewusstsein
wahr, trotz der draußen tosenden Stürme des fremden Bewußtseins.
Hier bin ich wieder, nehmt mich wahr als eigenständigen Mensch
im Vollbegriff(-sitz) meines Ich-bin-ich-Selbst-Bewusstseins.
Wie lange war es nicht so? Sieben, acht, neun Jahre, oder?
Es folgt noch ein wenig wirklich Internes. Das war's.
Bitte nicht übersehen, es sind innere Gedanken und etwas, was eigentlich
nicht für andere bestimmt war. Jetzt dürfen Sie, lieber Hörer,
liebe Leser, es lesen.
noon im Juni 1999
Ich lüfte mein Pseudonym: Ich heiße Onno Mülder.
Natürlich bin ich es auch.
Telepathie
Am 15 Januar 1996 öffneten sich die Kanäle zu
bestimmten inkarnierten Menschen, mit denen ich seitdem verbunden bin.
Ich bin ihr Sender. Die Empfänger meiner Gedanken sind in der Lage,
meine übertragenen Worte gleichzeitig (synchron) auszusprechen,
ohne dass sie diese Worte vorher akustisch in ihrem Kopf wahrnehmen,
was natürlich auch geht. Das heißt, um es anders zu formulieren,
ich habe die Fähigkeit, ihnen Worte in den Mund zu legen, die sie,
wenn sie es wollen, aussprechen. Des weiteren sind sie in der Lage,
meine visuellen Gedanken zu empfangen, die sie dann wiederum sprachlich
formulieren können. Auch meine Träume können sie akustisch
wie auch visuell empfangen. Sie spüren auch emphatisch organische
Empfindungen, wie Bauchschmerzen oder Herzklopfen. Auch sind sie in
der Lage, meine Umwelt akustisch wie visuell wahrzunehmen. In dem telepathischen
wie emphatischen Rapport bin ich also ihr Sender, sie sind meine Empfänger.
Nun komme ich zur akustischen Hellhörigkeit. Ich
habe die Fähigkeit, entfernungsunabhängig ihre Stimmen akustisch-hellhörig
wahrzunehmen, wenn sie mich kontaktieren. Dabei können sie meine
wie ihre Gedanken aussprechen, was zur Folge hat, dass wir so bei starker
Konzentration auf diesem Wege kommunizieren können. Ihre Stimmen
höre ich akustisch hellhörig, nicht in meinem Kopf, denn sie
klingen so, als kämen sie von außen, von sehr weit weg, wenn
sie nicht in meiner Nähe sind. Wenn sie jedoch in meiner Nähe
sind, nehme ich sie nicht übersinnlich, sondern mit meinem physischen
Gehör wahr. Akustisch hellhörig betrachtet, bin ich ihr Empfänger,
sie sind meine Sender.
Die Telepathie-Empfänger sind sich anfangs, als die
Kanäle sich öffneten, in der Nähe des Ortes, an dem ich
mich zu der Zeit aufhielt, begegnet und haben sich untereinander kennengelernt.
Sie sind nicht auf mich zugekommen und haben sich nicht mir als Telepathie-Empfänger
vorgestellt. Wahrscheinlich aus dem Grunde, um mich zu beobachten und
ihre Fähigkeit erst einmal zu trainieren. Akustisch-hellhörig
haben sie mir über sich einiges mitgeteilt, unter anderem, dass
sie sich zu einem Geheimbund zusammengeschlossen haben und untereinander
eine Vereinbarung der Verschwiegenheit mir gegenüber haben. Dritte
Personen, zum Beispiel Verwandte und Freunde von ihnen, wurden eingeweiht,
das heißt über das Phänomen und meine Person informiert.
Dieses Abkommen ihrerseits ist der Grund, warum ich niemandem dieses
Phänomen beweisen kann. Aber man kann meinen Erfahrungen Glauben
schenken.
Unabhängig von den akustischen Fernhellhörigkeitserfahrungen
machte ich viele telepathische Naherfahrungen, durch die mir einige
Personen meiner Telepathie-Empfänger bekannt sind. Auf persönlicher
Ebene haben sie, wenn ich sie direkt auf diese Erfahrung der Gedankenübertragung
oder des Gedankenlesens angesprochen habe, diese verleugnet, da sie
ja die Vereinbarung der Verschwiegenheit mir gegenüber haben. Diese
Tatsache und die Tatsache, dass einige von ihnen ihre Macht benutzen,
mich hellhörig zu kontaktieren, auch wenn ich es nicht möchte,
empfinde ich als Verletzung und Eingriff in meine Freiheit. Die hellhörige
Kontaktierung bezeichne ich als Psychoterror, da es hauptsächlich
Negativsuggestionen sind, die sie übertragen, wie negative Kritik
an meiner Person. Ich habe die Vermutung, dass dieses Phänomen
der Telepathie und akustischen Hellhörigkeit, wie sie bei den Telepathie-Empfängern
und mir auftritt, auf einen außergewöhnlichen Präzedenzfall
zutrifft.
Dirk Potschul
Spirituelle Erneuerung in der christlichen
Kirche als Gefahr?
von Imke Skierlo
Mit dem folgenden Text möchte ich als Betroffene
provozieren und zur Diskussion aufrufen.
Wir leben in einer Zeit, da viele Menschen nach neuer
Sinnerfüllung für ihr Leben suchen. Und mir macht aus eigener
schlechter Erfahrung heraus der sorglose Umgang mit spirituellen, übernatürlichen
Erfahrungen im Bereich der Esoterik und Religion große Sorge.
Wir stimmenhörenden Menschen machen immer wieder
die Erfahrung, daß ÄrztInnen, TherapeutInnen, SeelsorgerInnen
freudig die Schublade der Psychose aufmachen, wenn wir von unseren Erlebnissen
erzählen, ohne sich zu interessieren, wo die Quelle des Übels
liegt...
Meine Geschichte ist folgende:
Vor mehr als 12 1/2 Jahren hatte ich für mich erkannt,
dass es Sinn mache, mein Leben ganz und gar dem Gott der Christen zur
Verfügung zu stellen, was in christlichen Kreisen Bekehrung genannt
wird. In Folge der Bekehrung empfing ich das Gebet in Sprachen, wie
es im Neuen Testament beschrieben wird (s. Apostelgeschichte 2).
Für mich eröffnete sich damit eine ganz neue,
unglaubliche Nähe zu Gott, den ich von Kindheit an kannte, liebte,
angebetet hatte. Ich wurde durch diese übernatürliche, unerklärliche
neue Dimension bereichert, motiviert.
Dadurch erlangte ich aber auch eine für mich aus
heutiger Sicht unvorsichtige Offenheit für Übernatürliches.
Ich wurde zu einer unkritischen Marionette dessen, was mit mir passierte.
Mehr als ein Jahr später mischten sich nach einer
Musikprobe in einer Waldorfschule plötzlich deutsche Worte in den
Fluss meines Sprachengebetes. Ich sprach und lauschte, hoffte den Sinn
dessen zu erfassen, gab mich dem hin.
Kurze Zeit später fing ich an, diese Worte im Kopf
zu hören. Das Sprachengebet verflachte. Ich suchte nun in Christengemeinden,
wo dieses Gebet gepflegt wird, Hilfe, in der Hoffnung, dass das Phänomen,
mit dem ich nun zu leben gezwungen war, ihnen bekannt sei.
In diesen Gemeinden ist es üblich, dass PastorInnen und Gemeindemitglieder
sogenannte Prophetien erhalten, meinen die Stimme Gottes zu hören,
Bilder zu sehen...
Alles Phänomene, die MedizinerInnen als akustische und visuelle
Halluzinationen abtun.
Wie kann es dann sein, dass ein Pastor, selbst ausgebildeter
Mediziner, der selbst Prophetien dieser Art erlebt, darüber spricht,
von Menschen wie mir behauptet, sie hätten eine Psychose? Wie ist
es möglich, als Pastor aus verantwortlicher Position heraus Gemeindemitglieder
dazu zu ermutigen, sich übernatürlichen Erfahrungen mit Gott
zu öffnen, sich aber für die Unfälle auf diesem Gebiet
nicht verantwortlich zu fühlen?
Inwieweit ist es an der Zeit, dass sich MedizinerInnen,
TherapeutInnen endlich einen Überblick verschaffen, wo die Ursachen
für das Hören von Stimmen liegen könnten, und ob es nicht
nötig wäre, sich eine Öffentlichkeit zu verschaffen,
und diese vor einer gefährlichen, unkritischen Offenheit gegenüber
esoterischen, spirituellen Praktiken zu warnen?
Imke Skierlo
Stimmenhören im Wandel
internationaler Kongress
Netzwerk Stimmenhören
3. und 4. Dezember 1999 Berlin
Rathaus Berlin-Neukölln
Programm
Freitag, 3.Dezember (Einlass 13.00 Uhr)
14.00 . 14.30 Uhr:
Begrüßung
u Stefanie Vogelsang, Bezirksstadträtin Gesundheit
u. So-
ziales, Berlin-Neukölln, Schirmherrin unserer
Tagung
u Dr. Anne Hörning-Pfeffer, Psychiatriekoordinatorin
u Hannelore Klafki, Netzwerk Stimmenhören e.V. (NeSt)
14.30 - 15.30:
Stimmenhören im Wandel: verschiedene Perspektiven
u Karin Römer, Expertin durch Erfahrung
u Monika Hoffmann, Expertin durch Beruf
u Ben Niederstadt, Angehöriger
15.30 - 16.00
Diskussion, Moderation Thomas Bock
16.00 - 16.30 Pause
16.30 - 17.00 Uhr
Hearing Voices in History
Phil Thomas & Ivan Leudar
Die Entwicklung des deutschen Netzwerks Stimmenhören
Hannelore Klafki
17.30 - 18.00 Uhr
Intervoice: Das internationale Netzwerk
Charles Schneider
19.00 - 21.00 Uhr
Empfang mit Berliner Buffet
(im Guttempler-Haus, Wildenbruchstr. 80)
Sonnabend, 4.Dezember (Einlass 9.00 Uhr)
Begrüßung: Frank Puchert
10.00 -11.00 Uhr
Podiumsdiskussion zum Thema: Frühwarnzeichen in den drei Phasen
des Stimmenhörens
Leitung: Frank Puchert & Imke Skierlo
Michaela Amering*, Thomas Bock, Hinderk Emrich*,
Marius Romme, Jeanette Woolthuis1
11.00 - 11.15 Uhr Pause
11.15 - 11.30
Einführung in die Arbeitsgruppen Monika Hoffmann
AG 1: Selbsthilfegruppen
Leitung: Annette del Mestre, Imke Skierlo
Austausch von Erfahrungen im Umgang mit Selbsthilfegruppen. Was können
wir voneinander lernen? Welche besonderen Probleme hat eine Gruppe von
stimmenhörenden Menschen?
AG 2: Öffentlichkeitsarbeit
Leitung: Benni B., Irene Stratenwerth
Wie kann Einfluss genommen werden auf das Bild der stimmenhörenden
Menschen in den Medien? Wieviel Öffentlichkeit hilft einem stimmenhörenden
Menschen und wann kann Offenheit zum Problem werden?
AG 3: Kooperationsmöglichkeiten von Selbsthilfe und
Therapie
Leitung: Michaela Amering, Monika Hoffmann, Jeanette Woolthuis
Expertinnen und Experten durch Beruf und Mitgliedern von Selbsthilfegruppen
fällt es schwer, in einen konstruktiven Austausch zu kommen. Woran
liegt das? Wie sehen die Möglichkeiten und Grenzen einer Kooperation
aus?
AG 4: Therapieformen im Vergleich
Leitung: Kurt Gemsemer* Ivan Leudar, Frank Puchert, Dorothea von Stumpfeldt*,
Phil Thomas, Ivan Leudar
Viele stimmenhörende Menschen, aber auch Professionelle sind unzufrieden
mit den Möglichkeiten der Psychiatrie und Psychotherapie. Ziel
der AG ist, diese Kritik genauer auszudrücken und auch anhand konkreter,
anderer Therapieansätze nach Verbesserungen der Hilfemöglichkeiten
zu suchen.
AG 5: Coping strategies in the three phases of hearing
voices
Leitung: Ron Coleman, Sandra Escher, Hannelore Klafki
Each of the three phases in the process of hearing voices asks for special
coping strategies. The workshop offers the opportunity to talk about
individual experiences and opens the discussion if and how voicehearers
can help each other.
AG 6: Hilflose Angehörige?
Leitung: Charlotte Jente*
Was können Angehörige tun, um stimmenhörende Menschen
bei ihrer Auseinandersetzung mit den Stimmen zu unterstützen? Sind
sie wirklich so hilflos, wie sie sich oft fühlen?
11.30 - 13.00 Uhr Arbeit in den Arbeitsgruppen
13.00 - 14.00 Uhr Mittagessen
14.00 - 14.30
Bericht aus den AGs Moderation Monika Hoffmann
14.30 - 15.00 Uhr
Stimmenhören: Fluch oder Begabung?
Thomas Bock
ReferentInnen:
*in der Internetfassung nicht enthalten.
Veranstaltungsort: Rathaus Neukölln, Karl-Marx-Straße
Verkehrsanbindung U-Bahn-Station: Rathaus Neukölln
Rahmenprogramm
BEGEGNUNGEN, eine Ausstellung des
Selbsthilfeprojekts aktiv-galerie-pinella
(agp)
Trommelgruppe des KommRum
Schülerinnen der Musikschule Piano e Forte
Saxophon und Klavier
Leserbrief
Fremde Hilfe
Zu Stimmenhören und Psychose von W. Henningsen, Stimmenhörerjournal
2/99
PsychosetherapeutInnen sind keine Kamele. Es handelt sich
um Fachleute in Sachen seelischer Befindlichkeit. Stimmenhören
ist keine Sache von außen, Stimmen kommen nicht vom Himmel, Stimmen
sind Teil unseres Selbsts, das es zu akzeptieren gilt. Es ist schwer,
sich selbst ins Auge zu blicken und die Verantwortung für sich
selbst zu übernehmen. Dazu brauche ich fremde Hilfe, wenn ich es
nicht mehr selber schaffe. Stimmenhören deutet auf verdrängte
seelische Wunden hin, die es zu schließen gilt. Das schaffe ich
bestimmt nicht, indem ich diejenigen Menschen, die mir dabei helfen
können, mein seelisches Elend aufzuarbeiten, ablehne, beschimpfe.
Viele Menschen, die Stimmen hören, wollen diese loswerden, und
dazu bedarf es der Hilfe eines anderen. Ich gebe zu, daß Kliniken
immer noch einen schlechten Ruf haben, weil sie Menschen fesseln, zwangsmedikamentieren
und zu starke Neuroleptika wie Haldol verabreichen. Es ist aber bedauerlich,
dass in den Kliniken keine Psychotherapie angeboten wird. Nicht alle
finden sich damit ab oder wollen sich damit abfinden, dass sie Stimmen
hören. Es gilt, das Stimmenhören nicht zu mystifizieren.
Monika Büttner
Intervoice
Wie im Journal 2/99 angekündigt, bringen wir hier
die Ziele und Aufgaben des Internationalen Netzwerks.
Intervoice wurde errichtet, um die Forschung und praktische
Arbeit voranzutreiben und zu fördern, die in den unterschiedlichen
Ländern zum Phänomen Stimmenhören geleistet wird.
Hauptthese von Intervoice ist, dass die Realität
der Stimmen für die Person, die sie hört, respektiert und
anerkannt wird. Stimmenhören stellt keine ungewöhnliche Erfahrung
in der Gesellschaft dar und ist allein noch kein Zeichen einer psychischen
Krankheit. Gleichzeitig wird aber auch gesehen, dass die Stimmenhör-Erfahrung
für einige Menschen sehr problematisch sein kann. Sie kann dazu
führen, dass diese Menschen psychiatrische Patienten werden, weil
die Beziehung zu ihren Stimmen sie quält und es ihnen schwer macht,
ihr Leben zu leben.
Intervoice bemüht sich, Menschen, die von ihren Stimmen
belästigt werden, zu unterstützen mit ihrer Erfahrung klarzukommen
und zwar durch einen Prozess der Ermächtigung und Partnerschaft
mit in der Psychiatrie Tätigen, Familienmitgliedern und anderen
Interessierten.
Intervoice fördert die Nutzung von Strategien, Therapien,
Techniken und Methoden, die sich als wertvoll für stimmenhörende
Menschen erwiesen haben, sodass Wahlmöglichkeiten und die Entwicklung
individueller Antworten auf das erlebte Problem erhöht werden können.
Intervoice will das Unwissen und die Angst vor Stimmen
verringern helfen, indem es das Akzeptieren des Stimmenhörens durch
die allgemeine Gesellschaft unter Nutzung von Bildungswesen und Medien
fördert.
Ziele
1. Die Ermöglichung der Förderung eines neuen Umgangs mit
Stimmenhören durch
2. Unterstützung der Entwicklung neuer Praktiken
3. Austausch von Informationen
4. in Auftrag geben von Forschung über Stimmenhören und verwandter
Themen
5. Ermutigung des Dialogs und der Unterstützung zwischen Mitgliedern
von Intervoice und mit anderen interessierten Organisationen und Individuen
in Europa und international
Aufgaben
1. Publikation eines regelmäßigen Nachrichtenbriefes
2. Erstellung eines Informationsdienstes
3. Errichtung einer Datenbank von Lebensgeschichten
4. Entwicklung lokaler Netzwerke in Mitgliedsländern
5. Entwicklung von Fortbildungen für stimmenhörende Menschen
und in der Psychiatrie Tätige
6. Vorantreiben des Wissens über Stimmenhören
7. Beauftragung und Überwachung von Forschungsarbeiten
8. Errichtung einer e-Mail-Kommunikation
Die Zusammenstellung der Ziele und Aufgaben von Intervoice
beschränken sich auf die Wesentlichsten. Ausführlichere Informationen
z.B. auch über die einzelnen Länder oder eine mögliche
Mitgliedschaft bei Intervoice erhält man/frau über folgende
Adresse:
INTERVOICE
c/o Community Integrated Care
2 Old Market Court
Miners Way
Widnes
Cheshire
WA8 7SP
England
Mitglied werden im Netzwerk Stimmenhören
e.V.
Gute Gründe sprechen dafür:
Unsere Hauptziele sind, uns gegenseitig zu helfen und
zu stützen und mehr Toleranz, Verständnis und Akzeptanz in
der Gesellschaft für das Phänomen Stimmenhören zu erreichen.
Dabei setzen wir auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit
und Partnerschaft von stimmenhörenden Menschen, deren FreundInnen
und Angehörigen und in psychiatrischer und psychotherapeutischer
Praxis und Forschung Tätigen.
Mitglied im NeSt kann jede/r werden, die/der unsere Ziele
unterstützt und zu ihrer Verwirklichung beitragen möchte.
Wenn Sie mehr über das NeSt erfahren oder unsere
Ziele mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen wollen, fordern Sie
weiteres Informationsmaterial bzw. eine Beitrittserklärung an.
Das NeSt bietet:
Kommunikation
In Selbsthilfegruppen, trialogisch besetzten und therapeutisch begleiteten
Gruppen besteht die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs und der
aktiven Mitarbeit.
Unser kleines Stimmenhörerjournal
Mitgliederrundbrief des NeSt, informiert u.a. über Aktivitäten
der Stimmenhörer-Bewegung im In- und Ausland, enthält Erfahrungsberichte,
erscheint vierteljährlich und kann - unabhängig von der Mitgliedschaft
- abonniert werden.
Fortbildungsseminare
Wir bieten zu unserem Thema ein- und zweitägige Seminare an, möglich
ist aber auch der Besuch verschiedener Einrichtungen für eine zwei-
bis dreistündige Kurzfortbildung. Damit möchten wir Verständnis
wecken und einen neuen Zugang zum Stimmenhören vermitteln.
Koordination und Kooperation
Wir arbeiten mit anderen Verbänden zusammen, um die Diskussion
zum Phänomen Stimmenhören auch dort voranzutreiben, indem
wir u.a. auf ihren Veranstaltungen Vorträge halten und Arbeitsgruppen
gestalten.
Veranstaltungen
Zu unserem Thema haben wir schon mehrere Tagungen durchgeführt
und bieten diese auch weiter an.
Internet
Auf unserer Homepage im Internet finden Sie u.a. die bisher erschienenen
Stimmenhörerjournale, sowie nationale und internationale Kontaktpersonen
Literaturhinweise