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Unser kleines Stimmenhörerjournal

4. Ausgabe  August 98

Inhalt Ausgabe 2/98


NeSt von innen
Als Hörende leben. Allein und doch nicht allein
MPS
Netzwerk Stimmenhören und Lauschangriff
An das kleine und zarte Kind
Was sind die Stimmen?
Kleiner Mann im Ohr (Zeitungsart. - „Die Woche")
Rainer Maria Rilke
Netzwerk Stimmenhören gegründet
Wettbewerb
Unsere Gruppen in Deutschland
Fragen an das NeSt
Literatur

 

Impressum:

Unser kleines Stimmenhörer-Journal

Herausgeber:
Netzwerk Stimmenhören e.V. (i.G.)

Redaktionsadresse:
c/o SEKIS
Albrecht-Achilles-Str. 65
10709 Berlin

Redaktionsleitung
Hannelore Klafki (v.i.S.d.P.)

Bestellungen
an das Netzwerk Stimmenhören e.V. (i.G.)
Bitte DM 3,- plus DM 1.50 für Porto
(beides in Briefmarken) nicht vergessen

Preis:
Einzelpreis: DM  3,-
Jahres-Abo DM  10,-
Förder-Abo: DM  20,-
(Abonnements erst ab 1999)


NeSt von innen



Liebe Leserinnen, liebe Leser,

nun haben wir es also tatsächlich geschafft, unser Netzwerk Stimmenhören zu gründen (Bericht s. Seite 22).

Wir möchten uns an dieser Stelle besonders bei Dr. Thomas Bock bedanken, der unsere Bewegung nicht nur mit Worten, sondern auch tatkräftig unterstützt. Wie in Holland Professor Marius Romme der Vater der Stimmenhörerbewegung ist, so ist es in Deutschland Dr. Thomas Bock. Ohne ihn wären wir noch lange nicht so weit und hätten auch noch kein Netzwerk gründen können. Er ist nicht in den Vorstand gegangen, sondern wird Mitglied des Beirats werden, den der Vorstand zu seiner Unterstützung wählen wird.

Wie in Kaufbeuren beschlossen, haben wir den Bericht über die Gründungsversammlung an die Psychosoziale Umschau (Zeitschrift des Dachverbandes psychosozialer Hilfsvereinigungen e.V.) geschickt. Gleichzeitig haben wir für die Zukunft um Platz für Nachrichten aus unserem NeSt gebeten.

Der Vorstand war beim Notar und hat alle erforderlichen Unterlagen für das Gericht abgegeben. Jetzt warten wir darauf, daß uns das Gericht als Verein anerkennt. Uns wurde gesagt, daß das Monate (!) dauern kann. Dadurch zieht sich alles weitere in die Länge - so z.B. auch die Einrichtung eines Vereinskontos, denn die Banken verlangen einen Auszug aus dem Vereinsregister. Um endlich arbeiten zu können, hat unsere Kassenwartin Monika Bessert ein Privat-Konto bei der Postbank Berlin eröffnet - dieses Konto wird dann später in unser Vereinskonto umgewandelt:

Bank:    Postbank Berlin
Bankleitzahl:    100 100 10
Konto-Nummer:   8091 01 - 103
Konto-Bezeichnung:   M. Bessert (NeSt)
     ( bei Einzahlungen bitte unbedingt angeben!)
 

Leider haben wir noch keine überregionale Redaktionsgruppe aufbauen können. Wir geben die Hoffnung aber nicht auf und fragen deshalb hier noch einmal: Wer hat Interesse an so einer Gruppe und möchte verantwortlich bei uns mitmachen? Wir würden uns ungefähr viermal im Jahr treffen.  Ein geringes Einkommen sollte  kein Hinderungsgrund sein, denn wir wollen uns bemühen, die Reisekosten für die jenigen, die sie nicht aufbringen können, zu erstatten.

Wir haben wieder Beiträge von stimmenhörenden Menschen bekommen und bedanken uns ganz herzlich dafür.

Im letzten Journal veröffentlichten wir eine Zusammenfassung des Gründungsberichtes von Intervoice - dem internationalen Netzwerk. Da das umfangreiche Protokoll nur in englischer Sprache vorlag, fragten wir, wer es für uns übersetzen könnte. Unser Dank geht an Wiltrud Henningsen, die so freundlich war, dies für uns zu tun. Gegen Porto kann es nun in unserer Geschäftsstelle bestellt werden.

Unser kleines Stimmenhörerjournal wird in Zukunft der Mitgliederrundbrief unseres NeSt sein. Wir haben schon mehrere Anfragen, ob es auch abonniert werden kann. Dies ist aus organisatorischen Gründen aber leider erst ab 1999 möglich.

Jetzt bleibt uns nur noch, allen einen schönen Sommer und eine angenehme Lektüre zu wünschen.
 

In diesem Sinne       Hannelore Klafki
herzliche Grüße       für die Redaktion
 
 

Als Hörende leben
Allein und doch nicht allein

Seit 1986 lebe ich mit der Erkenntnis, daß Menschen mich beobachten, über mich reden, in mich hineinreden. Seit 1987 weiß ich, daß Menschen einen Zugang zu meinem Gehirn gefunden haben.

Ich höre, daß sie hören. Ich höre, wenn sie sich unterhalten. Ich höre, wenn es wellenartig immer lauter braust, wenn zu viele Nebengeräusche und zu viele Stimmen gleichzeitig etwas sagen, wenn sie aufgeregt oder ängstlich sind. Ich höre, wenn sie hören, daß ich höre.
Ich höre aber auch, wenn sie ruhig und bestimmt handeln und organisieren. Ich höre, wenn sie sich streiten, und wenn sie sich einigen. Ich höre, wenn sie versuchen, mich zu schonen. Ich höre, wenn sie versuchen, mich zu beruhigen.
Rücksicht. Vernunft und Rücksicht scheint das einzige zu sein, was uns dieses Leben etwas erleichtert.

Ich höre aber auch, wenn sie versuchen zu verlocken und wenn sie lügen. Nur leider steht nirgends dran: „Dies war eine Lüge". Früher habe ich versucht, diese Menschen zu treffen, um vielleicht irgendwelche mir unbekannte Aufgaben zu lösen, oder auch nur, um mich mit ihnen auszusprechen. Vergeblich. Und wenn ich versuche, mit mir bekannten Menschen über das Phänomen des Stimmen-Hörens zu reden, sagen fast alle, das gibt es nicht. Das macht auch „normale" Gespräche schwerer.

Ich habe lernen müssen, daß ich den Stimmen nicht glauben darf, wie plausibel  sie  auch  klingen.  Es ist  wohl einfach zu  verführerisch,  die  Anonymität dieser Technik zu nutzen, um andere Menschen zu manipulieren oder zu ärgern oder zu verspotten. Menschen sind Menschen, auch mit Fehlern. Ich kann mich ja nicht wehren. Ich habe gelernt, daß ich nichts glauben darf.

Aber nicht alle sind voller Fehler. Ich merke doch deutlich, wie sie da draußen arbeiten, wie sie sich gegenseitig helfen, ergänzen, ablösen, wie so viele da anstrengende Aufgaben übernehmen und sich oftmals quälen müssen. Wie gern würde ich ihnen helfen! Aber ich bin isoliert.

Oft mache ich mir Sorgen um sie. Wenn man hört, wie durch dieses ganze Treiben manche in Bedrängnis kommen, wie manche körperliche oder auch finanzielle Schäden haben, wie immer wieder neue Fremde Teile des Systems stören oder zerstören, wie sie nicht nur den Schlaf und das Wachsein eines ganzen Stadtteils durcheinanderbringen... Dann liege ich da und mache mir Sorgen. Was tun sie? Was ist wem passiert? Hat es ernsthafte Schäden gegeben? Leben sie noch alle?

Manchmal versuche ich doch zu helfen. Wenn unter dem vielen, das ich höre, etwas ist, was wirklich Beachtung erfordert, sage ich in Gedanken „jemand hat xxx gesagt". Dann überprüft irgendjemand das und veranlaßt etwas, wenn es nötig ist. Mehr kann ich ja nicht tun.

Rücksicht. Ich versuche, eine nicht gar zu große Last zu sein für die, die mich und die immer neuen Eindringlinge bewachen. Ich habe mir einen sehr regelmäßigen Lebenslauf angewöhnt. Berechenbarkeit. Sie müssen sich darauf einstellen können. Das macht vieles leichter.

Auch in Kleinigkeiten kann man Rücksicht nehmen. Wenn ich starke Geräusche akustisch höre (Föhn, Drucker, Küchenmaschine,...), halte ich mein Ohr zu oder verlasse den Raum oder warne rechtzeitig in Gedanken.

Diese Kommunikationsebene ist leider auch eine Versuchung. Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich einen schon gehabten Gedanken im Kopf ausformuliere oder wie ich „denen" etwas zu erklären versuche.

Es ist auch eine Verunsicherung, nicht nur menschlich. Wie kann ich sicher sein, daß niemand mit meinen abgehörten Kontonummern und Schlüsselverstecken, Krankendaten und Briefadressen, Gedichten und Texten, Forschungen und Büchern Unsinn macht?
Ich kann nur hoffen, daß Toleranz und Verantwortung auch bei anderen ist.
Man braucht eine ganze Menge Vertrauen und eine Menge Mißtrauen, um mit diesem allen zu leben.
Ich nehme mich immer mehr zurück, die Abwehr der Hilflosen, die Hilfsbereitschaft der Teilwissenden.
Wenn Menschen den direkten und offenen Dialog mit mir nicht wollen, dann muß ich eben allein mit allem fertig werden.
Wenn Menschen meine Mitarbeit nicht wollen, dann muß ich eben allein am Schreibtisch arbeiten.
Wenn Menschen meine Freundschaft nicht wollen, dann muß es eben ohne gehen.

Ich lebe ein normales Leben in großer Zurückhaltung.
Wenn Menschen normale Wege von mir zu ihnen einschlafen lassen oder schroff beenden, dann habe ich ihnen eben nicht genügt.
Wenn Menschen normale Wege zu mir nicht gehen wollen, auf Stimmen-Hörer-Wegen werde ich ihnen nicht folgen. Ich bleibe in vernünftigen, normalen Bahnen, auch wenn ich dabei allein bin, immer allein: allein und doch nicht allein.

Wiltrud Henningsen,
eine, die sich
vor Psychosen und Psychopharmaka hütet.

MPS

Ich habe etliche Suizidversuche hinter mir, mir ist klar, daß die „Innenpersonen" (so nenne ich sie) nicht nur Angst vor anderen Menschen hatten, sondern auch vor mir. Alkoholexesse, Suizidversuche bedrohten diese Leutchen auch, nicht nur äußere Gewalt.

Die Krisen scheine ich gepachtet zu haben. Trotz hoher Dauermedikation bedrohen die „Negativ-Kräfte" mich oft so sehr, daß mir gar nichts anderes übrigbleibt. In diesen Krisen kann ich sie bei Bedarf noch erhöhen. Seit einiger Zeit habe ich das Gefühl, daß die Krisen stärker werden. Die Medikamente können das schlimmste verhindern (den sehr schlechten Zustand von Januar 94). Mehr nicht. Selbst die Therapeuten haben mir gesagt, es gäbe keinen 100% igen Schutz (sie sind wenigstens ehrlich). Oft spüre ich deren Hilflosigkeit (vielleicht erwarte ich auch zuviel). Dadurch, daß wie in der letzten Krise die „Positiv-Kräfte" abtauchen, fühle ich mich total hilflos, weil sonst alle da sind, auch die Positiven. Ich glaube, daß die Tagesklinik bald nicht mehr reicht, zu meinem eigenen Schutz werde ich wohl vollstationär gehen müssen. Mir ist nicht klar, warum diese Veränderung, was ich falsch mache oder gemacht habe.

Eine große Hilfe ist die ambulante Beschäftigungstherapie, in der „wir" alle abgelenkt und gefordert sind. Die Bereitschaft der anderen in mir dazu ist da. Trotz Angst vorher. Wir/ich habe/n die Erfahrung gemacht, daß, je mehr Innenpersonen für irgendetwas sind, desto besser klappt auch so eine Aktivität.

Manchmal ist der ganze „MPS-Zirkus" faszinierend. Wie ich schon als Kind „den kleinen Mann im Ohr" hatte, der mir im Falle des Falles weiter hilft, ist es ja auch heute noch so, meistens jedenfalls. Allerdings schweige ich, wenn andere „mein" gutes Gedächtnis bewundern o.ä. (lobe aber diejenige Innenperson).
Relativ früh, als mir die MPS bewußt und diagnostiziert wurde, habe ich die Erfahrung gemacht, daß es auch mir gut geht, wenn ich dafür sorge, daß es den Innenpersonen gut geht.

Doris

Mein Literaturtip: „stellst mein Leben in Frage" 20 Texte zum Thema       „Lesen und schreiben in psychischen Krisen"
zu beziehen über:
Institut für deutsche Sprache und Didaktik  Universität Münster
Philippistraße 17,  48149 Münster (DM 8,- plus Porto)
 
 

Netzwerk Stimmenhören und Lauschangriff

Seit ich mit dem Netzwerk Stimmenhören in Deutschland in Verbindung gekommen bin, beschäftigt mich die eigenartige Gleichzeitigkeit, was die Einführung des Lauschangriffes angeht in der BRD per Gesetzesänderung über den Bundestag und die Gründung des Netzwerkes. Meine Ahnung sagt mir, daß das zusammengehört, obwohl kein logischer Zusammenhang erkennbar ist.

Unter Zuziehung des chinesischen Tao-Begriffes als Gesamtsinnmoment der Zeit, der hinter allen Erscheinungen steht, scheint sich eine Spur anzubieten. Das chinesische Denken setzt voraus, daß die ganze Natur eine psycho-physische Einheit ist, was manchmal als Synchronizitätsphänomen aufleuchtet, sich aber einer konzentrierten Detailbeobachtung entzieht.

Vielleicht ist das Netzwerk Stimmenhören mit seinen Bemühungen als neue Möglichkeit zu sehen, an bisher verborgene Informationen heranzukommen - das Bewußtsein belauscht stoffliches Geschehen (Art „Unterweltsgeschehen"), um es wissenschaftlich zu verarbeiten und, falls hier vielleicht Sachverhalte zum Vorschein kommen, daß jemand „rechtswidrig" etwas angetan wurde oder vielleicht gegen die Würde eines Menschen verstoßen wurde, das ans Tageslicht zu bringen.

Dr. med. Dieter Schwenk
 
 

Literatur:  M. L. von Franz   - Psyche und Materie -   Daimon Verlag 1988
 
 


An das kleine und zarte Kind

 Du wurdest geschlagen, es wurde geschrien und gedroht.
 Brauchtest Du Trost, war niemand da.
 Allein gelassen mit Deiner Trauer und Hilflosigkeit.
 Tiere waren Deine besten Freunde,
 Geschwister zaubertest Du Dir.
 Irgendwann warst Du nicht mehr allein.

 Auf die Menschen war kein Verlaß.
 Ihr mußtet Euch selber helfen.
 Heute ist das kleine, zarte Kind längst erwachsen,
 es weint noch immer.

 Ich verspreche Dir, daß ich für Dich sorgen werde.
 Du brauchst keine Angst mehr zu haben.
 Die schlimme Kinderzeit ist vorbei.

 Tiere sind noch immer Deine besten Freunde.
 Langsam, in ganz kleinen Schritten lernst Du,
 daß nicht alle Menschen schlimm sind.

 Vorsicht ist geboten, sagen die größeren.
 Ihr habt ja selten erlebt,
 daß es auch bessere Menschen gibt.

 Laßt es uns zusammen versuchen,
 den Menschen ein Stück zu vertrauen.
 Es gibt immer wieder Gauner unter Ihnen,
 auch ich war ja einer.

 Lange wollte ich Euch nicht.
 Wollte Euch genauso zerstören, wie es früher
 die Erwachsenen gemacht haben.

 Wir gehören zusammen,
 es hat lange gedauert,
 bis ich begriffen habe.
 Zusammen sind wir stark.

                                                                      D. Zender

Was sind die Stimmen?

Die einen hören Befehle, die anderen hören Beschimpfungen, andere hören Ratschläge. Die Stimmen erschrecken, trösten, unterdrücken, bauen auf. Sie sind laut und leise, isoliert oder in großer Mischung. Die, die sie hören, finden (erfinden) Erklärungen, wenn sie noch denken können. Für die einen sind es Engel, Teufel, Geister, Hexen, Zauberer, für die anderen sind es Außerirdische, für andere Comik- oder Märchenfiguren, für andere Menschen aus Familie, Nachbarschaft und weiterem Umfeld, für andere kommt eine Stimme aus dem eigenen Unterbewußtsein und Gewissen, für andere aus Radios, für andere sind es neue Sinne, mit denen man Wellen mit dem Nervensystem direkt auffangen kann, für andere gezielt von technisch versierten Menschen mit/(oder)von Apparaten gesandte Nachrichten.

Ich glaube, daß mehreres stimmt.

Für die Menschen mit Problemen, die sie allein nicht lösen können, sind sicher das Unterbewußtsein und Leitfiguren wichtig beteiligt.

Außerirdische sind es nicht. Was jenseits unserer Raumfahrer im All ist, dürften höchstens die geistigen Reste unserer Toten sein, und die stehen hier nicht zur Debatte.

Aber Menschen und Technik sind schon beteiligt und „neue Sinne" offenbar auch, sonst würden nicht rund 3(bis 5?)% der Menschheit „hören" sondern 100%.

Es gab sie schon immer, die Menschen, die auch ohne Außenohr hören konnten, aber es waren wenige. Jetzt sind wir viele. Die Welt hat sich verändert. Eine Fülle von Wellen und Strahlungen schwirrt um und durch unsere Erde. Für Hören und Sehen brauchten wir Menschen sie schon immer, für Radio und Fernsehen, Funk und Radar auch schon viele Jahrzehnte. Aber es steigert sich; jetzt ist es fast zu viel. Manche von uns wurden zufällig getroffen (von Strahlenbündelung oder Dauerbeschuß oder was auch immer, ich weiß es nicht). Bei einer entsprechenden Prädisposition, vielleicht auch verstärkt durch Verletzlichkeit und Streß oder existentielle Ängste, reagiert der Körper mit einer zusätzlichen Öffnung des Gehirns, mit „einem neuen Sinn", mit HÖREN. Bei anderen dürfte es hergestellt worden sein, gezielt eingepeilt. Der Effekt ist der gleiche.

Dann gibt es noch die Menschen, die nicht oder anfangs nicht zu den Hörern gehörten und per Zufall oder von Berufs wegen entdeckten oder lernten, wie man die Strahlen und Wellen verändern kann oder muß, um abhören zu können.

Das Problem ist nicht das Zu-Wenig, nicht das Verstärken, das Es-auch-Können, das Problem ist das Zu-Viel. Wir haben zu viel Wellen und Strahlen und magnetische Felder, wir haben zu viele Menschen, die daran rumprobieren, wir haben zu viele Geräusche/Stimmen im Kopf.

Nur: „Stimmen dämpfen" darf nicht „Menschen dämpfen" sein. Die, die das Hantieren mit diesem Zeug lernen und gelernt haben, müssen (genau wie Mediziner und Psychiater) sich ihrer großen Verantwortung bewußt werden.

Der Mensch kann lernen. Das gilt für alle.

                                                                                            Wiltrud Henningsen
 
 

Kleiner Mann im Ohr
Etwa 2 Prozent aller Kinder werden von Stimmen im Kopf gequält.
In Holland wir das Phänomen nun erforscht.

Zeitungsartikel
aus: "Die Woche"
      vom 17. April 1998

Von Irene Stratenwert

Fühlt Frank sich mutterseelenallein auf der Welt, setzt sich der Siebenjährige im Haus seiner Eltern auf die siebte Treppenstufe und wartet auf einen Engel. "Ich weiß, dass er da ist, denn die siebte Stufe fühlt sich wärmer an als die anderen... Ich berichte ihm meine Sorgen, und ich höre eine Stimme. Nicht sollst du dich fürchten, sagt die Stimme." So erinnert sich der Bestsellerautor Frank McCourt ("Die Asche meiner Mutter") an einen hilfreichen Geist seiner irischen Kindheit.

Marcel aus Westfalen hat es mit unsichtbaren Begleitern anderer Art zu tun. Als er sechs Jahre alt ist, erleben seine Eltern erstmals, wie sich ihr Kind mit schreckgeweiteten Augen an eine Wand presst, zu Tode geängstigt. Erst Jahre später, als eine Odyssee durch psychologische Praxen hinter ihm liegt, erzählt der Junge, dass es Stimmen sind, die ihn bedrohen und ihm Befehle erteilen. Oder dass er manchmal, in einem leeren Raum, plötzlich hört, wie Schritte auf ihn zukommen.

Jedes zweite Kind im Alter zwischen vier und acht lebt zeitweise mit eingebildeten Spielkameraden. Tiere oder Phantasiegestalten fallen wie Astrid Lindgrens "Karlsson vom Dach" ins Kinderzimmer ein. Etwa 2 Prozent aller Kinder jedoch, so ermittelte eine britische Studie, erleben akustische Halluzinationen, die sie weder herbeirufen noch abstellen können. Ebenso häufig tritt das Phänomen bei Erwachsenen auf. Dass innere Stimmen, die in anderen Zeiten und Kulturen als göttliche Eingebung, Jenseitskontakt oder Besessenheit galten, durchaus nicht immer Symptome einer Geisteskrankheit sind, wies der niederländische Psychiater Marius Romme jetzt mit einer groß angelegten Studie nach. Etwa ein Drittel der Stimmenhörer, die er befragte, leben völlig unauffällig mit den ungebeten Begleitern.

Vor zwei Jahren startete das Forscherteam um Romme eine Studie zur Bedeutung akustischer Halluzinationen bei Kindern. 80 Mädchen und jungen im Alter von 8 bis 18 Jahren berichteten den Untersuchern Sandra Escher und Alexander Buiks in langen Interviews von der seltsamen Welt, in der sie leben: von Stimmen, die abfällige Kommentare über Freunde oder Verwandte abgeben, die ihnen in der Schule falsche Antworten einflüstern, sich als Monster ausgeben und Lärm schlagen.

Insgesamt vier Jahre lang wollen die Wissenschaftler Kontakt zu den Kindern halten. Zur Halbzeit des Projektes zogen Romme, Escher und Buiks nun eine >Zwischenbilanz, deren Ergebnis sie selbst überraschte. Zu Beginn der Studie hatten fast alle Kinder über Konzentrationsstörungen, starke Ängste in Folge der Belästigung durch Stimmen geklagt. Doch schon im zweiten Untersuchungsjahr waren die Stimmen bei 21 Kindern vollständig verstummt. Die meisten anderen Kinder fühlten sich weniger Tyrannisiert. Nur noch ein gutes Drittel der Jungen und Mädchen gab an, durch die Stimmen Probleme zu Hause und in der Schule zu haben – anfangs waren es doppelt so viele gewesen.
„Wir haben den Eindruck, dass den Kindern vor allem eine Normalisierung im Umgang mit den Stimmenerfahrungen hilft“, folgern die Wissenschaftler. Die Möglichkeit, angstfrei und offen über ihre seltsamen Wahrnehmungen zu sprechen, bekamen sie oft zum ersten Mal durch die wissenschaftlichen Interviews.

Marcels Eltern machte das Verhalten ihres Sohnes lange Zeit ratlos. Im Kindergarten saß er oft allein an einem Tisch und unterhielt sich in einer fremden Sprache mit einem Unsichtbaren. Später begann er zwanghafte Handlungen auszuführen, ständig Wände, Tische, Stühle zu berühren, genau festgelegte Schrittfolgen einzuhalten. Immer wieder geriet er  in Panik. Die Eltern, beide selbst im psychosozialen Bereich ausgebildet, zogen eine ganze Reihe von Kindertherapeuten zu Rate.

Dass es Stimmen waren, die Marcel ängstigten und in einer anderen Welt gefangen hielten, fand keiner von ihnen heraus. Eine Kinderanalytikerin erklärte der Mutter nach wenigen Sitzungen, ihr Sohn sei so schwer gestört, dass er die Beziehung zu seiner Mutter aufgeben müsse. „Ich hätte ja alles mitgemacht, was ihm irgendwie hilft“, sagt die Mutter heute, noch immer tief betroffen, „aber ich hatte das Gefühl, wenn er da noch lange hingeht, ist er reif für die Psychiatrie.“

Als Marcel zehn war, erzählte er im Urlaub zum ersten Mal von Stimmen. Die Eltern waren entsetzt. Gleichzeitig versuchten sie, ihr Kind zu beruhigen. „Versuch doch aus dem wilden Tiger, der dich bedroht, eine Hauskatze zu machen“, riet ihm die Mutter. „Ich hab die Stimmen jetzt mehr unter Kontrolle“, sagt der heute zwölfjährige Gymnasiast, „weil ich nicht mehr so viel Angst habe. Jetzt kommen sie nur noch, wenn ich allein bin, wenn es dunkel wird, wenn ich mich langweile.“ Und auch dann empfindet er die vier Männerstimmen in seinem Kopf nicht mehr nur störend: „Die helfen mir auch. Über welches Thema ich gerade nachdenke- da mischen die sich ein und bringen mich auf neue Gedanken.“

„Die meisten Kinder in unserer Studie kamen aus ganz normalen Familien, quer durch alle sozialen Schichten“, berichtet Sandra Escher. Bei einem Viertel der befragten Kinder stand das Aufkommen von Stimmen im Zusammenhang mit traumatischen Erlebnissen, etwa Unfällen oder den Tod von Angehörigen, in einigen Fällen auch mit sexuellem Missbrauch. Andere Kinder hatten Schulprobleme, litten an Über-, oder Unterforderung. Die Gemeinheit, Kindern bei Klassenarbeiten falsche Antworten einzuflüstern, betreiben Stimmen laut Escher „vor allem im Fach Mathematik.“

Die psychologischen Grundlagen dieses Phänomens sind noch kaum erforscht. Ergebnisse aus der Hirnforschung legen nahe, dass akustische Halluzinationen eine „Verwechslung“ unbewusster Hirntätigkeit – sprachlich gefasster Gedanken, Erinnerungen, Gefühle – mit akustischen Eindrücken darstellen. Doch diese Wahrnehmungen sind oft so seltsam, dass sie die Stimmenhörer nicht als eigene Gedanken einordnen können. „Zu Beginn der Studie waren alle Kinder überzeugt, dass fremde Wesen zu ihnen sprechen“, erzählt Sandra Escher. „Jetzt, im dritten Jahr, fangen sie an darüber nachzudenken: Könnte es sein, dass diese Stimmen von mir selbst kommen?“

Die Forscher selbst halten sich mit Erklärungen streng zurück. Ihre Erfahrung zeigt, dass auch märchenhafte, esoterische oder religiöse Deutungen helfen können, den Stimmen einen Platz im Leben zuzuweisen.

Als wenig hilfreich, so die Maastrichter Studie, empfanden viele Eltern hingegen die Empfehlungen von Kinderpsychiatern und –psychologen, die zu Medikamenten oder einer Familientherapie rieten. „Eltern, die sowieso schon äußerst besorgt waren, wurden dadurch zusätzlich verunsichert“, berichtet Escher, Ihrer Beobachtung nach wirkt in vielen Fällen eine gelassene Haltung: „Kinder und Eltern fangen wieder an, sich mit ihren Problemen im realen Leben zu beschäftigen. Und die Stimmen treten allmählich in den Hintergrund.“
 
 


Rainer Maria Rilke

Fritz Bremer in
„Erhörte Welt - Vom Heimweh nach den Stimmen der Götter"
Aus „Stimmenhören Botschaften aus der inneren Welt"

Rainer Maria Rilke kam am 4. Dezember 1875 in Prag zur Welt und starb am 29. September 1926 in Valmont (Schweiz). Er lebte insgesamt so, als ginge es um die Gestaltung des Lebens als Kunstwerk. Sein Verhältnis zu den Dingen der Natur, zu Orten, zu Häusern, zu Menschen, sein Alltag - sofern er je über längere Zeit Alltag zuließ -, seine Lieben: alles durchlebte er an äußersten Erfahrungspunkten und in innerster Genauigkeit. Alles Erlebte unterlag ständiger Befragung - im Kern die Frage, ob das Gesehene, ob seine Wahrnehmung möglich sei, welche Welt sich dahinter verberge oder eröffne.

Rilke war in seiner Wahrnehmung, in seiner Lebensweise und in seiner künstlerischen Sprachgestaltung auf der Suche nach Möglichkeiten der Grenzüberschreitung. „Innen" und „außen", „Person" und „Welt", „Subjekt" und „Objekt" - diese scheinbar klaren Begriffspaare rationalistischen Denkens hatten in ihm und seinem Werk keinen Bestand. Er war in seiner Zeit auf seine Weise vielleicht der radikalste sowohl Ausgestalter als auch Kritiker des modernen Subjektbewußtseins.

Am 21. Januar geschah etwas Außergewöhnliches in seinem Leben. Ganz allein hatte sich der Dichter in diesem Winter auf das Schloß Duino an der italienischen Adriaküste zurückgezogen. Er war 36 Jahre alt, ein bekannter und erfolgreicher Schriftsteller und befand sich in einer tiefen Schaffenskrise. Was ihm fehlte, war eine Inspiration, eine Idee zu einem neuen Werk. Eine große Traurigkeit überfiel ihn, er begann zu glauben, daß auch dieser Winter ohne Ergebnis bleiben würde. Draußen blies eine heftige Bora. Aber die Sonne schien, das Meer leuchtete blau, wie mit Silber übersponnen. Rilke stieg zu den Bastionen hinunter, die, vom Meer aus nach Osten und Westen gelegen, durch einen schmalen Weg am Fuße des Schlosses verbunden waren. Die Felsen fallen dort steil, wohl an zweihundert Fuß tief, ins Meer hinab.

Rilke ging ganz in Gedanken versunken auf und ab. Da, auf einmal, mitten in seinem Grübeln, blieb er stehen, plötzlich, denn es war ihm, als ob im Brausen des Sturmes eine Stimme ihm zugerufen hätte: „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen?" Lauschend blieb er stehen: „Was ist das?" flüsterte er halblaut. „Was ist es, was kommt?" Er nahm sein Notizbuch, das er stets mit sich führte, und schrieb diese Worte nieder und gleich dazu noch einige Verse, die sich ohne sein Dazutun formten. Wer kam? Er wußte es jetzt: der Gott. Sehr ruhig stieg er wieder in sein Zimmer hinauf, legte sein Notizbuch beiseite und erledigte einen Geschäftsbrief. Am Abend aber war die ganze Elegie niedergeschrieben.
Mit diesem Ereignis begann für Rilke die Arbeit an den „Duineser Elegien", seinem dichterischen Spätwerk, das er 1923 vollendete. Den Beginn der ersten Elegie - „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen?" - haben ihm die Stimmen im Sturm zugerufen.
 

Aus den Duineser Elegien

...Ach, wen vermögen
wir denn zu brauchen? Engel nicht. Menschen nicht,
und die findigen Tiere merken es schon,
daß wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind
in der gedeuteten Welt. Es bleibt uns vielleicht
irgendein Baum an dem Abhang, daß wir ihn täglich
wiedersähen, es bleibt uns die Straße von gestern
und das verzogene Treusein einer Gewohnheit
der es bei uns gefiel...
...Warst du nicht immer
auch von Erwartung zerstreut, als kündigte alles,
eine Geliebte dir an? (Wo willst du sie bergen,
da doch die großen, fremden Gedanken bei dir
aus und ein gehen und öfter bleiben bei der Nacht,)
...
Stimmen, Stimmen. Höre mein Herz wie sonst nur
Heilige hörten: daß sie der riesige Ruf
aufhob vom Boden; sie aber knieten
Unmöglich, weiter und achteten nicht:
So waren sie hörend. Nicht, daß du Gottes ertrügest
die Stimme, bei weitem. Aber das Wehende höre,
die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet.
Es rauscht jetzt von jenen jungen Toten zu dir.
...
Und das Totsein ist mühsam
und voller Nachholn, daß man allmählich ein wenig
Ewigkeit spürt. - Aber Lebendige machen
alle den Fehler, daß sie zu stark unterscheiden.
Engel (sagt man) wüßten oft nicht, ob sie unter
Lebenden gehn oder Toten. Die ewige Strömung
reißt durch beide Bereiche alle Alter
immer mit sich und übertönt sie in beiden...
 

Durch die Stimmen aus dem Sturm im winterlichen Duino erschlossen sich Rilke Quellen der Inspiration, denen er sich bewußt und planmäßig nicht hätte nähern können. Die Botschaft, die ihn mitten ins Herz traf, schien einer göttlichen Dimension zu entspringen. „Höre mein Herz wie sonst nur Heilige hören". Woher aber stammt dieser riesige Ruf, diese „Nachricht, die aus Stille sich bildet"? Und warum berührt sie auch uns, ohne daß wir sie wirklich verstehen?
 

Quellen:
Fülleborn, Ulrich/Engel, Manfred (Hrsg.): Materialien zu R.M. Rilkes       Duineser Elegien, Band 1, Selbstzeugnisse, Suhrkamp Verlag,         Frankfurt a. M. 1980
Holthusen, Hans Egon: Rilke. Rowohlt Verlag, Hamburg 1975
Rilke, Rainer Maria: Werke, Band 2, Gedichte 1910-1926, Hrsg. Engel,      Ulrich/Fülleborn, Manfred, Insel-Verlag, Frankfurt a. M. und Leipzi  1996
Ders.: Werke, Band 4, kommentierte Ausgabe. Hrsg. Engel, Ulrich u. a.,   Insel-Verlag, Frankfurt a. M. und Leipzig 1996
Ders.: Duineser Elegien. Die Sonette an Orpheus. Insel-Verlag,
 Frankfurt 1923
 
 

Netzwerk Stimmenhören gegründet

Im Rahmen der Tagung „Ich und die Psychiatrie" - organisiert vom Dachverband psychosozialer Hilfsvereinigungen, Bundesverband der Psychiatrie-Erfahrenen und Deutscher Gesellschaft für soziale Psychiatrie - fand am Freitag, d. 22. Mai 1998 die Gründungsversammlung unseres Netzwerk Stimmenhören e.V. in Kaufbeuren statt.

Vorgeschichte
Nach internationalen Kongressen und Treffen in Maastricht, England und Wales beginnen auch in Deutschland, StimmenhörerInnen ihre Stimme zu erheben. 1996 entstehen die ersten beiden Keimzellen für stimmenhörende Menschen in Kiel und Berlin. Während es sich in Kiel schnell zu einer funktionierenden Gruppe entwickelt, müssen die Berliner noch ein bißchen warten und etablieren sich erst 1997 als Gruppe. Irene Stratenwerth und Thomas Bock drehen im Auftrag des NDR den Fim „Hören Sie Stimmen?", der eine Welle von Post nach sich zieht. Im April (Hamburg) und im Oktober (Berlin) 1997 finden zwei erste größere nationale Treffen statt. Die Medien greifen unser Thema auf und es kommt zu drei Fernsehauftritten und mehreren Zeitungsartikeln. Inzwischen entwickeln sich bundesweit sechzehn Gruppen bzw. Keimzellen und von ganz allein entsteht schon ein kleines Netzwerk. Doch Zeit, Geld und die Zahl der aktiven Menschen sind begrenzt - ein starker Druck lastet auf Hamburg und Berlin. Auf unserer letzten größeren Veranstaltung in Berlin beschließen wir deshalb, unser Netzwerk als einen Verein zu gründen.
Wir erfahren, daß es wieder eine gemeinsame Veranstaltung vom Dachverband psychosozialer Hilfsvereinigungen, Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener und Deutsche Gesellschaft für soziale Psychiatrie geben wird, Thema: „Ich und die Psychiatrie". Das ist ein Thema, von dem auch wir stimmenhörenden Menschen ein Lied singen können, denn die Stimmen können leider so negativ beherrschend im Vordergrund stehen, daß viele von uns Hilfe in der Psychiatrie suchen müssen. Aber dort wird unser Erleben ausschließlich als „krankhafte Halluzination" angesehen und die „Behandlung" beschränkt sich meistens auf Medikamente. Das empfinden die meisten von uns als bevormundend und wenig hilfreich.
Um uns u. a. auch gegen diese Bevormundung zu wehren, beschließen wir, unser Netzwerk zu gründen. Wie in den Niederlanden und Großbritannien auch setzen wir in unserem Netzwerk auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit und Partnerschaft von stimmenhörenden Menschen, deren FreundInnen, Angehörigen und in psychiatrischer und psychotherapeutischer Praxis und Forschung Tätigen. Wir wollen unsere Erfahrungen austauschen mit dem Hauptziel, uns gegenseitig zu helfen und zu stützen und mehr Toleranz, Verständnis und Akzeptanz in der Gesellschaft für das Phänomen Stimmenhören zu erreichen.

Die Aufgaben und Ziele unseres Netzwerkes sind:
° die Anliegen, Sichtweisen und Forderungen von stimmenhörenden  Menschen in der allgemeinen Öffentlichkeit zur Geltung zu bringen;  in diesem Sinne betreibt es Lobbyarbeit gerade auch für die stimmenhörenden Menschen, die von psychiatrischen Maßbahmen betroffen  sind, bzw allein mit ihren Stimmen nicht zurechtkommen;
° Möglichkeiten zur Vorbeugung von Krisen zu entwickeln, die sich dadurch ergeben können, daß die Stimmen sehr negativ und beherrschend im Vordergrund stehen;
° Kontakt und Informationsstellen zur Gründung von Gruppen zu bieten: mehrere Gruppenmodelle sind möglich, z.B.:
 - reine Selbsthilfegruppen
 - trialogisch besetzte Gruppen (Angehörige, StimmenhörerInnen,    professionelle HelferInnen
 - therapeutisch angeleitete Gruppen;
° Unterstützung des Erfahrungsaustausches von stimmenhörenden  Menschen und Interessierten zu bieten und entsprechende Tagungen  und Seminare zu organisieren;
° die Herausgabe von Informations- und Fortbildungsmaterialien für  StimmenhörerInnen, Angehörige und professionelle HelferInnen
° Aufklärung und Information über mögliche Ursachen von Stimmenhören zu bieten; hier sind besonders die stimmenhörenden Menschen  zu ermutigen, für sich selbst eigene Erklärungsmodelle zu finden, die  zu achten sind:
° eine kritische Auseinandersetzung mit Forschung zu führen, auch mit  dem Ziel, angemessene Forschungsstrategien gemeinsam zu entwickeln;
° die Herausgabe einer regelmäßigen Zeitschrift zu ermöglichen, die -  als Mitgliederrundbrief erscheinend - über Aktivitäten der Netzwerke im In- und Ausland berichtet;
° die Diskussion zum Phänomen Stimmenhören in bestehenden Angeboten und Verbänden von Psychiatrie-Erfahrenen, Angehörigen und  professionell Tätigen voranzutreiben.

Im Zentrum der Macht einer Klinik - im Konferenzsaal des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren - verabschiedeten stimmenhörende Menschen, Angehörige und in der Psychiatrie Tätige die Satzung. In Form eines Workshops redeten wir zuvor allgemein über Stimmenhören und hielten danach die Gründungsversammlung ab. Ungefähr fünzig Leute waren anwesend, von denen sich hinterher siebzehn entschlossen, sich als Gründungsmitglieder einzutragen. In einem angenehmen Arbeitsklima wurde die Satzung gründlich überarbeitet. Auch bei strittigen Punkten konnten wir zu einem Konsenz kommen und so erhielt die Satzung wertvolle Ergänzungen.

Nach der Verabschiedung der Satzung wählten wir unseren Vorstand, der gemäß unserer Satzung in der Mehrzahl aus stimmenhörenden Menschen besteht. Hier die Namen der Vorstandsmitglieder in alphabetischer Reihenfolge: Monika Bessert (Berlin), Hannelore Klafki (Berlin), Bärbel Kursave (Berlin), Frank Puchert (Berlin), Karin Römer (Ludwigshafen), Klaus Sandner (Erlangen), Dieter Schwenk (Balgheim).
Mitglied im Netzwerk kann jede(r) werden, der/die Stimmen hört oder sich beruflich mit stimmenhörenden Menschen beschäftigt oder Freund(in) oder Angehörige(r) eines stimmenhörenden Menschen ist und die Ziele unseres Netzwerkes bejaht und unterstützt.

Das deutsche Netzwerk ist nach Großbritannien und den Niederlanden das dritte nationale Netzwerk. Wir wünschen uns, daß wir genauso schnell wachsen, wie z.B. das Netzwerk in Großbritannien (inzwischen über 1000 Mitglieder) und daß auch in anderen Ländern Netzwerke entstehen. Inzwischen ist ein internationales Netzwerk (Intervoice) entstanden, somit können wir hoffen, daß unsere Botschaft weltweit verbreitet wird: Stimmenhören allein ist kein Zeichen für eine psychiatrische Krankheit. Es ist eine besondere Wahrnehmungsform, die sich je nach den Bedingungen des Einzelnen zu einer Lebensbereicherung oder aber auch zu einer quälenden Erfahrung entwickeln kann.

Die Satzung und Beitrittsformulare können bestellt werden:
Netzwerk Stimmenhören (NeSt) e.V. (i.G.)
c/o SEKIS
Albrecht-Achilles-Straße 65
10709 Berlin
Tel/Fax: 030/8916085 (nur dienstags von 16:00 bis 19:00 Uhr)

Wir bedanken uns ganz herzlich bei den OrganisatorInnen der Tagung in Kaufbeuren, daß sie es uns ermöglichten, unsere Gründungsversammlung hier abzuhalten!

                                                                                                Hannelore Klafki
 
 






WETTBEWERB

Wir sind auf der Suche nach einem LOGO für unser NeSt!

Wer hat eine Idee und kann etwas für uns zeichnen?
?

Alle sind aufgerufen, sich hierüber Gedanken zu machen.
(Aus Kostengründen sind farbige Vorlagen nicht möglich)

Damit die Mühe nicht umsonst bleibt,
soll der/diejenige,
 für dessen/deren Entwurf wir uns entscheiden,
einen Preis erhalten.

Zu gewinnen gibt es
eines der beiden Stimmenhörerbücher:

&

entweder
„Stimmenhören akzeptieren"
(Romme/Escher)

oder
„Stimmenhören - Botschaften aus der inneren Welt" (Stratenwerth/Bock)

Bitte bei Einsendung angeben,
welches der beiden Bücher gewünscht wird.
 

Einsendeschluß ist der 31. Dezember 1998 und NICHT wie in der gedruckten Ausgabe angegeben der 30. September 1998.

Netzwerk Stimmenhören e.V. (i.G.) NeSt

Geschäftsstelle
NeSt c/o SEKIS
Albrecht-Achilles-Str. 65
10709 Berlin
Tel. und Fax 030 - 891 60 85
(nur Di 16 - 19h)

Versandt (Broschüren, Film)
NeSt c/o SPA Uniklinik Hmbg
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Tel. 040-4717-3226
Fax 040-4717-5455

e-mail: stimmenhoeren@gmx.de
Internet-Homepage:  http://privat.schlund.de/s/stimmenhoeren
{Anmerkung des Webmasters: neue Adresse lautet www.stimmenhoeren.de}

Bestehende Gruppen
Liste hier
 

Fragen an das NeSt

Im Laufe der vergangenen Zeit sind einige Anfragen an unser NeSt gestellt worden. Wir möchten sie an unsere LeserInnen weitergeben. Vielleicht finden sich Leute, die darauf antworten möchten. Wir werden die Antworten im nächsten Journal veröffentlichen, bzw an den/die Fragende(n) weiterleiten.
 

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  Ich bin Betroffener. Seit 12 Jahren höre ich Stimmen. Ich bin in psychiatrischerBehandlung und bekomme täglich 375 mg Leponex.   Meine Frage: „Gibt es eine Medikation, die größere Aussichten auf Erfolg darstellt?"

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Bei mir ist es z.B. so, daß auch mein optisches, bildliches Vorstellungsvermögen und die Erinnerungskraft erheblich beeinträchtigt wird. Ich habe zunehmend Schwierigkeiten, mir Orte, die ich in der Vergangenheit einprägte bzw. gesehen habe, bildlich im Geist vorzustellen.
Ich würde nun gerne wissen, ob andere Stimmenhörer ähnliche Schwierigkeiten damit haben.

***

Suche Frauen, die Erfahrungen mit Telepathie haben, um  mich darüber mit ihnen austauschen zu können.

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Es wäre schön, wenn diese Rubrik sich etablieren könnte. Wir versprechen, daß wir auf Wunsch die Anonymität wahren.
 
 

Literatur
Liste hier

Impressum