Unser kleines Stimmenhörerjournal
Inhalt Ausgabe 3/2000
Rundbrief Netzwerk Stimmenhören e.V.
4. Jahrgang
September 2000
Bezugsquelle gedrucktes Journal
Vorwort
Eine optimistische Geschichte
WÜSTE
Naturrechte auf innere Freiheit u. Eigenkreativität
Achten statt ächten
ANGST SITZT
Die Frankfurter Selbsthilfegruppe
Bremen
Rezension Stimmenhören verstehen und bewältigen
ABC der Bewältigungsstrategien aus dem Arbeitsbuch (leider nicht
in der Online-Version)
Stimmen hörende Menschen aus Kunst...
WEGE
Aufruf zur Gründung einer MPS-Gruppe
Mitglied werden im NeSt, Beitrittserklärung
Sämtliche persönlich gekennzeichneten Beiträge
entsprechen nicht unbedingt der Meinung des Vorstands oder der Redaktion
Erscheinungsweise
vierteljährlich, zum Ende des Quartals
Bezugspreis
Jahresabo incl. Zustellung 20 DM
Förderabo 40 DM
Einzelheft 3 DM (plus 1,50 DM Porto)
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Für NeSt-Mitglieder ist Unser kleines Stimmenhörerjournal
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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Fast ist der Sommer nun vorbei, die Ferien liegen hinter
uns, aber nicht alle waren im Urlaub, sondern haben fleißig gearbeitet.
Wir haben zwei Selbsthilfegruppen entdeckt, die schon
eine ganze Weile existieren und nun zum Netzwerk gestoßen sind:
Aachen und Bremen. Wir freuen uns, dass sie uns erlaubt haben, sie in
unsere bundesweite Liste mit aufzunehmen.
In Chemnitz gibt es jetzt auch eine Kontaktperson für
eine Selbsthilfegruppe, unser Dank geht an Frau Hommula, die sich dafür
zur Verfügung gestellt hat.
In Frankfurt a.M. hat sich die Selbsthilfegruppe etabliert
und tagt regelmäßig (s. Berichte über Frankfurt und
Bremen).
Mehrere Anfragen und der Wunsch nach einer Selbsthilfegruppe
im Raum Dresden haben uns veranlasst, Kontakt mit dortigen psychiatrischen
Zentren und Selbsthilfe-Beratungsstellen aufzunehmen. Vielleicht weiß
noch jemand, wo wir uns hinwenden könnten. Auf jeden Fall wollen
wir versuchen, dort eine Informationsveranstaltung zu organisieren.
In Frankfurt a.M. gab es eine Psychiatrie-Woche, wo Anneke
Born und Karin Römer unser Netzwerk vertreten haben mehr dazu im
nächsten Stimmenhörerjournal.
In Berlin gibt es nun endlich eine feste Redaktionsgruppe,
die sich regelmäßig trifft. Unsere nächste öffentliche
Redaktionssitzung wird am 23. Oktober um 18 Uhr in den Räumen des
Netzwerks im S-Bahnhof Schöneberg stattfinden. Wir wollen nach
wie vor allen die Möglichkeit geben, selbst an der Gestaltung unseres
Journals mitzuwirken und freuen uns immer sehr über Beiträge.
An dieser Stelle möchten wir noch einmal insbesondere die Angehörigen,
aber auch die in der Psychiatrie Tätigen ermutigen, für unser
Journal zu schreiben.
Auf der Redaktionssitzung im Oktober wollen wir überlegen,
wie wir thematisch gestaltete Journale herstellen können und welche
Themen sich dafür eignen. Ihre/Eure Meinungen, liebe Leserinnen,
liebe Leser, sind also unbedingt gefragt. Vielen außerhalb
Berlins wird es leider wohl nicht möglich sein, persönlich
teilzunehmen, aber ein Brief, ein Fax, ein Anruf oder auch eine E-Mail
sind für uns genau so wichtig wie das persönliche Erscheinen.
Diese öffentlichen Redaktionssitzungen sollen einmal vierteljährlich
stattfinden und werden künftig unter dieser Rubrik angekündigt.
Auch im Netzwerk gab und gibt es Umstrukturierungen: Anneke
Born ist die Koordinatorin unserer Selbsthilfegruppen und Kontaktpersonen,
Karin Römer ist unsere Fortbildungskoordinatorin und Andreas Gehrke
wird ab 2001 die Koordination unseres Journals übernehmen.
Wir sind gespannt, wie sich alles weiterentwickeln wird,
und schauen voll Zuversicht in den kommenden Herbst.
Jetzt bleibt uns nur noch, allen eine angenehme Lektüre
zu wünschen.
Herzliche Grüße
für die Redaktion
Hannelore Klafki
Eine optimistische Geschichte
Hoffnung ist nicht Optimismus,
nicht die Überzeugung,
dass etwas gut ausgeht,
sondern die Gewissheit,
dass etwas einen Sinn hat -
ohne Rücksicht darauf,
wie es ausgeht.
Vaclav Havel
Ich bin seit 1986 Stimmenhörer. Um mit dem Ergebnis
gleich anzufangen: Der Ausgang der Geschichte, die ich erzählen
will, ist optimistisch. In einer Schrift, die ich aus Anlass der Stimmen
zusammengestellt habe, schrieb ich unter anderem Folgendes: Sie, die
Krankheit, hat mir neue Denkweisen, eine neue Herangehensweise an das
Problem von Leben und Tod gegeben. Sie lässt mich bewusster und
gelassener mit dem Leben umgehen ... Eine wichtige Erfahrung habe ich
machen müssen, nämlich die, Körper, Geist und Seele wirklich
zu jeder Zeit in Einklang zu bringen ... Interessant sind für mich
Haltungen geworden, mit denen man dem Leben gegenübersteht oder
in das Leben eintaucht.
Doch wie war mein Leben vor dem Beginn des Stimmenhörens?
Es war geprägt von ständigen geistigen und körperlichen
Überforderungen. Erst war ich über zehn Jahre in der Armee.
Diese Jahre waren nicht leicht und haben die nächsten geprägt.
Ich habe später als ausgebildeter Archivar einige Archive in Dresden
und Berlin geordnet, habe später auch Geschichte studiert. In der
Freizeit beschäftigte ich mich mit theoretischer Atomphysik. Meine
Devise war, heute besser zu sein als gestern und morgen noch besser.
Und so, wie ich mich selbst gejagt habe, bin ich auch mit anderen Menschen
umgegangen. Um die seelische Verfassung habe ich mich zu dieser Zeit
nicht gekümmert.
War das manchmal schon ein trostloses Leben, wurde das
noch wesentlich schlimmer zu Zeiten der vielen Psychosen, die ich infolge
des Stimmenhörens bekam. Die Psychosen setzten mit dem vierzigsten
Lebensjahr ein. Die Nervenärzte haben dafür eine eindeutige
Diagnose: paranoide Schizophrenie!
Es ist über zehn Jahre hinweg ein ewiger Kreislauf gewesen. Zuerst
habe ich Stimmen gehört und mit ihnen gekämpft, habe mich
danach in psychotische Zustände hineingesteigert. Danach hat die
Behandlung eingesetzt mit Medikamentengaben - zumeist Neuroleptika -,
und die Stimmen verschwanden nach einiger Zeit. Bis zum nächsten
Schub habe ich mehr oder weniger erfolgreich die Ereignisse verdrängt.
Innerhalb von elf bis zwölf Jahren geschahen diese Zyklen mindestens
fünfzehnmal.
Natürlich habe ich nicht verstanden, warum gerade
ich ein solches Schicksal zu erleiden hatte. Die Stimmen gehörten
dem religiösen Bereich an, waren also Vertreter von Himmel und
Hölle. Ich hatte mich zu dieser Zeit zu einem konsequenten Atheisten
entwickelt, der die Welt so einfach wie möglich zu erklären
versuchte. Diese exotische Welt, in der sich die Stimmen befanden, stellte
gewissermaßen eine andere Welt dar, in der verstorbene Seelen
wohnten und den ständigen Kontakt zu unserer, der realen Welt suchten.
Ich bin in die Kämpfe eingebunden worden, habe aber von alledem
nichts verstanden. So vergrößerte sich zusehends mein Dilemma.
Erst viel später bekam ich eine leise Ahnung von dem Sinn der Vorgänge.
Langsam habe ich begriffen, dass die Ereignisse viel mit meiner geistigen
und seelischen Verfassung zu tun hatten, auch zu großen Teilen
mit meiner Biographie. Verhärtungen im Denken, Fühlen und
Handeln sind durch oftmals lange Kämpfe und Auseinandersetzungen
aufgebrochen worden. Die Stimmen, so deprimierend sie auch gewirkt haben,
haben mich schließlich zu Tugenden im Denken und Fühlen zurückgeführt,
die längst vergessen schienen. Dafür möchte ich einige
Beispiele anführen.
Durch die konsequente atheistische Auffassung damals kam
es zur Verarmung der Ansichten über die Welt im Allgemeinen und
der Naturgesetze im Besonderen. Ich habe mit Hilfe der Atomphysik versucht,
die Welt auf ein ganz einfaches Modell zu versimpeln. Zu Recht haben
meines Erachtens die Stimmen den religiösen Bereich gewählt.
Hier habe ich erfahren müssen, dass es noch andere Dinge - besonders
im Bereich des Fühlens - gab. Mitten in eine andere, mir unbekannte
Welt gestellt, musste ich mich positionieren, musste Partei ergreifen
für die Unterdrückten, nicht nur zuschauen. Dabei wurde mir
mehrmals übel mitgespielt, so dass ich eines Tages bei Suizidgedanken
die Erkenntnis gewann: Gott hat nicht die Voraussetzungen für mein
Leben geschaffen, damit ich es einfach wegwerfe. Eben eine Kette solcher
Erkenntnisse hat mich zum Gläubigen gemacht. Jetzt konnte ich plötzlich
aus ganz neuen Quellen schöpfen, die zum Beispiel Glauben, Mitgefühl
und Nachsicht heißen. Der christliche Glaube ist meine Wurzel,
doch ich schöpfe auch aus anderen Weltreligionen. Deshalb wird
der Herr Pfarrer keine große Freude an mir haben, denn ich meine,
dass jeder Arm des Kristallleuchters sein Licht aussendet.
Ein weiteres Problem sind die Todesdrohungen durch Vertreter
der Hölle gewesen. Die Stimmen haben mich ganz auffällig stets
auf das Problem des eigenen Todes hingewiesen und mich mit allerlei
Verboten belegt. Diese konnte ich nicht immer einhalten. Ich glaube
mich einigermaßen ritterlich in der besonderen Welt benommen zu
haben, aber ich habe mich mit großer Angst über manches dieser
Verbote hinweggesetzt. Besonders problematisch war immer, über
die Erlebnisse in jener Welt mit Angehörigen, Freunden und Ärzten
zu sprechen. So ist schließlich herausgekommen, dass ich jetzt
das durchsetzen muss und kann, was ich für richtig halte. Anderseits
hat sich ein ganz natürliches und entspanntes Verhältnis zu
Leben und Tod, besonders zum eigenen, ergeben. Ich weiß, dass
es die richtige Minute sein wird, wenn ich einmal die große Reise
antrete, so einfach ist das.
Vielleicht noch ein anderes Beispiel:
Als junger Mann hatte ich mir vorgenommen, irgend eine
große Leistung oder Erfindung zu vollbringen. Mit vierzig musste
ich feststellen, dass es damit wohl nichts werden würde. Vielleicht
hat diese Erkenntnis eine so genannte Midlife-Krise ausgelöst.
Etwa zum gleichen Zeitpunkt meldeten sich die ersten Stimmen. Wenig
später haben die Stimmen vorgeschlagen, mich zu einem ganz Großen
zu machen. Zuerst wollten sie mich zum neuen Jesus Christus erheben.
Als ich zögerte, wollten sie mich späterhin zum Herrn der
Welt, zum Stellvertreter Gottes, schließlich zum Erzengel Gabriel
und sogar zum Antichristen machen. Instinktiv habe ich mich gegen solche
Angebote gewandt, obwohl es nicht immer leicht war. Späterhin war
ich glücklich, nur der einfache Mensch geblieben zu sein. Auch
hier habe ich einen Lernprozess durchmachen müssen, nämlich
den, mich um keinen Preis zu erhöhen, denn dann fällt man
gehörig auf die Nase. Eben das haben mir die Stimmen indirekt vermittelt.
Auch hier habe ich Bedeutendes dazulernen dürfen.
Die Kette des Neulernens und -erlebens könnte ich noch erweitern.
Ich habe beim Durchblättern meiner Schrift festgestellt, dass mindestens
zehn unterschiedliche Lernprozesse eingesetzt haben. Die Schrift hat
31 Kapitel, es könnten also noch bedeutend mehr Dinge in der Seele,
im Fühlen und Denken umgestürzt worden sein. Bei diesen Erkenntnissen
setzte bei mir das große Staunen ein, denn das Programm der Stimmen
hat genau auf meine geistige und seelische Situation gepasst. Die Stimmen
haben zumeist Gegenpositionen bezogen, um mich zu vernünftigen
Haltungen zu bewegen, und das ausdrücklich und dauerhaft. Mir kommt
es heute wie ein Wunder vor, dass genau meine Schwachpunkte erkannt
und sogar psychisch effektiv behandelt worden sind. Die Dinge, die ich
lernen musste, sind nun bis in den letzten Winkel der Seele verankert
worden. Deshalb musste ich wahrscheinlich durch so tiefe Täler
der Tränen wandern. Diese Erkenntnisse lassen mich bewegt auf die
Unerschöpflichkeit der Natur, auf die Weisheit von Gottes Schöpfung
blicken.
Der Wendepunkt, da, wo die Stimmen aufhörten, mich
angeblich zu quälen, war, als ich erkannte: Die können das
gar nicht (wollen es auch nicht), womit sie so vollmundig gedroht haben.
Ich bekam schließlich ein Gefühl der Überlegenheit,
weil die Stimmen immer nur redeten und schimpften. Ich aber kann handeln!
Seit zirka drei Jahren bin ich glücklicher als je zuvor. Heute
weiß ich, dass die Stimmen meine Freunde und Gäste sind.
In der Regel kommen sie nur noch bei Meditationsübungen, und darüber
bin ich sehr erfreut. Die meisten seelischen Probleme, die ich jahrelang
mit mir umherschleppte, sind gelöst. Mit viel Gelassenheit blicke
ich auf die Prozesse, die um mich herum geschehen. Mein Urteilsvermögen
hat sich dadurch wesentlich geschärft.
Den eigentlichen Umschwung zu einem glücklicheren
Leben hat eine wichtige Geistesarbeit gebracht. Ich habe in meinem Geiste
mich bei all denen entschuldigt, denen ich im Verlaufe des Lebens Unrecht
zugefügt habe. Eine ziemlich große Anzahl von Menschen kam
da zusammen. Schließlich waren der Teufel und die anderen Stimmen
dran - plötzlich konnte ich spontan wieder lächeln. Das hat
offenbar die tiefe Depression durchbrochen, in der ich damals steckte.
Heute weiß ich, dass diese symbolische Handlung, die nicht leichtgefallen
ist, den Schlusspunkt unter eine lang anhaltende Verkrampfung der Seele
und des Geistes gesetzt hat. Danach sind Lebenslust und Freude wie von
selbst wiedergekommen. Heute ist das besagte Glitzern in den Augen wieder
da, so, wie es Karin in Unserem kleinen Stimmenhörerjournal Heft
1/1999 berichtet hat.
Andreas Gehrke
WÜSTE
von Imke Skierlo
Jesus Christus
vierzig Tage in der Wüste.
Versuchung des Teufels
nennt man das.
Zum Abschluss dieser Zeit
servierte ihm der Teufel
ein Suizidangebot.
Er widerstand. -
Wer sind die Menschen,
die vom Teufel versucht
durch die Straßen laufen,
schreiend, in der Hoffnung,
den Teufel in die Schranken
verweisen zu können, zu dürfen?
Würde Jesus erst heute diese Welt
betreten -
er würde sofort in die geschlossene
Psychiatrie eingeliefert werden,
abgefüllt mit Psychopharmaka ...
WO IST UNSERE WÜSTE
in diesem Land,
wo Menschen wie Jesus
vor sechzig, fünfundsechzig Jahren vergast wurden,
die erkannten, dass man dem Teufel
widerstehen muss - und
UNMENSCHEN wie Hitler ...
WO IST DIE WÜSTE
in diesem unserem Land,
in der WIR die Teufel unserer Zeit
in die Schranken
SCHREIEN dürfen?
Imke Skierlo
Naturrechte auf innere Freiheit und Selbstverantwortung
Wir haben Naturrechte auf innere Freiheit und Selbstverantwortung,
doch versehentlich entstandene Blockaden verhindern dies. Diese schuldig
gebliebenen Rechte können wir uns selbst wieder erarbeiten. Doch
wir erhalten sie nur, wenn wir die negativen, niederdrückenden
Stimmen (und anderes) auflösen können und das positive Gefühl
unseres Wertes dagegen setzen. Wenn ich als Reizauslöser die speziellen
Worte oder Sätze höre, die mich negativ beeinflussen, kann
ich damit arbeiten. Nichtstimmenhörer haben es schwerer, weil sie
im Leeren suchen müssen. Deshalb haben manche Bibelzitate für
mich eine tiefe Bedeutung: Ich freue mich über dein Wort wie einer,
der große Beute macht (Ps 11,162). - Ich wache auf, wenn's noch
Nacht ist, nachzusinnen über dein Wort (Ps 119,148).- Ist mein
Wort nicht wie ein Feuer, spricht Gott, und wie ein Hammer, der Felsen
zerschmeißt? (Jer 23,29) - denn nichts hält diese innere
Energie auf.
Warum klingt das für viele Stiimmenhörer/innen
nicht gut? Vermutlich, weil viele der Stimmenhörer oft von den
Stimmen wenig Positives erfahren. Ich kenne beides und weiß, dass
es an dem in uns Gespeicherten liegt. Ich weiß, dass wir den negativen
Stimmen unbedingt positive Aussagen dagegen halten müssen, um unseren
neu erwachten Willen zu zeigen. Natürlich müssen wir auch
die negativen Stimmen versuchen aufzulösen, denn sie haben ja etwas
mit unserem bisherigen Leben zu tun. Etwas ist falsch in unserer Muskulatur
gespeichert. Wir müssen dazu den Reiz, der immer wieder auftaucht,
finden, die Entstehungszeit suchen, klären und emotional zu dem
damaligen Schock finden, um frei davon zu werden. Wichtig ist das, weil
der Reiz eine unglaubliche Erweiterung auf alle möglichen ähnlichen
Begriffe und Gefühle hat und nur halbe Lösungen das Problem
oft endlos weiter laufen lässt, weil der Hauptreiz gefunden werden
muss. Meine Eigenarbeit an mir war hart in dieser Richtung und ist noch
nicht beendet. Auch die Bibel erzählt darüber von Jesus in
der Wüste und seinen Kämpfen. Doch: Alle meine Quellen sind
in dir! (Ps 87,7).
Deshalb versuche ich, meinem Inneren nicht mehr Panik,
Schmerzen oder böse Worte zu erlauben, sondern verlange sofort
Erleichterung. Dann frage oder sinne ich oft wütend nach, wo etwas
falsch aufgeladen worden sein könnte, um es aufzulösen. Viele
wütende und traurige Tränen begleiten diese Lösungsversuche.
Oft hat der Krieg damit zu tun und auch Familienkriege, Unglücksfälle
oder falsche Erziehung. Aus so einer Konstellation entstand meine spätere
Psychose, und aus dieser entwickelte sich noch später mein Stimmenhören
und feinfühliges Wahrnehmen innerer Vorgänge. Oft höre
ich nicht Stimmen, sondern bin mehr in Kontakt mit meinem Inneren über
Fühlen (auch Sehen), was sich in meinem Körper bewegt, in
einem Organ, auf der Haut oder in Kopf oder Gehirn, oft auch muskelverkrampft
oder schmerzhaft. So kommuniziert mein Inneres mit mir über meine
Organe, die je nach Gefühl zu spüren sind oder mir auch symbolisch
etwas anzeigen sollen.
Der Inhalt meiner Psychose vor zehn Jahren war: In fünf
Tagen sterbe ich. Das gab einen großen Aufruhr in meiner Familie.
Komischerweise hatte ich keinerlei Angst, erst später am fünften
Tag war ich in Verwirrung über meine komischen Ideen. Die Zahl
fünf verfolgte mich unglaublich noch längere Zeit. Später
analysierte ich dies mit Hilfe eines Buches aus der Hitlerzeit und den
früheren Angaben meiner Mutter, mir sei vor meiner Geburt durch
eine erschrockene Bewegung durch sie (wegen Geschrei im Radio, als Hitler
in Österreich einmarschierte) die Nabelschnur um den Hals gerutscht
(der Einmarsch Hitlers in Österreich war fünf Tage vor meiner
Geburt, laut Bucheintragung), ich hing deshalb fünf Tage in der
abwürgenden Schlinge. Bei meiner Geburt, fünf Tage später,
zog sich dann die Nabelschnur infolge der Überdehnung zu, ich wäre
fast tot gewesen, doch der herbeigerufene Arzt mit der Hebamme retteten
mich. Meine Eltern freuten sich nicht über das zweite Mädchen,
es sollte doch ein Hitlerjunge sein. Auch das spürte das Kind damals
emotional, zu dem anderen Schock. Zur Aufklärung hatte ich viele
Träume, Tagträume und Visionen. Seit 1991 arbeite ich daran,
weil es alleine schwerer geht, doch ich fand niemand, der so viel Mut
hat, mich eventuell durch eine neue Psychose zu begleiten.
Zu den Stimmenhörern gehöre ich seit ungefähr
acht Jahren. Ich ging damals zu einem neuen Therapeuten. Als ich vor
dessen Haus stand, hörte ich eine Stimme zu mir sagen: Das ist
nicht dein Haus. Tatsächlich konnte er mir nicht helfen. Heute
weiß ich, mein Haus ist mein Körper (symbolisch: Körper,
Haus, Kirche, Tempel, Dom).
Stimmenhören: Ich hatte im Sommer vier Wochen die
zwei Hunde meiner Freundin betreut, einen großen Dogge-Rüden
und eine kleine Ungarische Hirtenhündin. Auf der Heimfahrt im ICE,
tief entspannt und etwas müde, hörte ich plötzlich aus
dem Nebenabteil meine zwei Hunde bellen. Ein mit im Abteil sitzender
Mann hörte nichts, es waren ja auch nur meine Stimmen, die mich
verblüfften. Und neulich sprach ich eingehend mit zwei Tinnitus-Betroffenen,
worauf ich einen Tag später plötzlich während eines Gesprächs
einen leisen Pfeifton für längere Zeit im rechten Ohr hatte;
gedanklich verlangte ich die Beendigung. Als ich später allein
war, bekam ich dasselbe plötzlich wieder, war dann sehr ärgerlich
und verlangte von meinem Inneren, es solle sofort mit diesem Quatsch
aufhören. Und es hörte auf. Ich hatte schon immer vermutet,
dass dem Tinnitus die gleichen Ursachen zugrunde liegen wie beim Stimmenhören.
Allerdings wissen die Betroffenen normalerweise nicht, dass sie mit
dem Tinnituserzeuger kommunizieren könnten und die seelische Ursache
suchen können und sollten. Gelegentlich merke ich auch, dass telepathische
Fähigkeiten in mir reagieren, ich nehme Gedankenübertragungen
auf. Plötzlich denke ich, jemand bestimmtes anzurufen - dann läutet
schon das Telefon und der oder die Betreffende ist am Apparat.
Der Austausch über unsere Selbsthilfezeitung ist
mir sehr wichtig und hilfreich. Ich danke allen für ihre aufschlussreichen
Beiträge.
Ingrid Peters
Achten statt ächten
Auszug aus einem Vortrag, der an der Universitätsklinik
Wien von Stephanus Binder am 11. Mai 2000 im Rahmen einer Vortragsreihe
von Prof. Dr. Peter Stastny, Psychiater in New York, gehalten wurde:
Ich heisse Stephanus Binder, bin Jahrgang 1959 und in
Freistadt in Oberösterreich geboren. Derzeit lebe ich allein in
Linz. Seit meinem 25. Lebensjahr höre ich Stimmen und bin auch
seit 1985 psychiatrieerfahren. Seit 1996 besuche ich die Selbsthilfegruppe
für Stimmenhören, die in Linz unter der Begleitung von zwei
Professionisten von EXIT-sozial geführt wird.
Stimmenhören bedeutet für mich eine Art zusätzlicher
Wahrnehmungsfähigkeit. Man erlebt eine virtuelle Familie, mit der
man sich unterhält und die einen unterhält. Es ist also gesprochenes
Wort, das jedoch nur für den Stimmenhörer hörbar ist.
Und wie in jeder herkömmlichen Familie auch, gibt es gute und schlechte
Beziehungen. Das sind dann die Stimmen, die uns aufmuntern und helfen,
oder solche, die uns belasten und rigide beschimpfen.
Für mich ist in den sechzehn Jahren des Stimmenhörens
jedoch eines klar geworden: Man kann die Stimmen nicht von ihren Inhalten
isoliert betrachten. Genau so wie im so genannten normalen Leben jeder
Mitmensch seinen speziellen Charakter hat, der sich vielseitig äußert,
haben auch unsere Stimmen, die wir Stimmenhörer hören, eine
Identität. Wir müssen uns mit dieser auseinandersetzen.
Oft erleben wir, dass StimmenhörerInnen sogar ihre
nächste Umgebung über diese Geschehnisse nicht informieren.
Meist geschieht das aus Scham oder auch aus dem Gefühl heraus,
für verrückt gehalten zu werden.
Vielleicht erinnern auch Sie sich noch an das Gefühl,
welches uns anlässlich der Erstkommunion beschlich, wo man glauben
sollte, dass Gott alles sieht und alles hört. Das führt dazu,
dass viele Stimmenhörer ihr Phänomen einem religiösen
Kontext oder Geschehen zuordnen. Leider gibt es meines Wissens seitens
der katholischen Kirche und ihrer Institutionen keine Aufmerksamkeit
für dieses Phänomen. Hier fehlen weitestgehend Aufklärung
und Information.
Besonders bedrohlich kann das Leben unter dem Einfluss
von Stimmen sein, wenn diese wiederholt den Selbstmord des Stimmenhörers
fordern. Dass dies zu äußerst angstbesetzten psychischen
Zuständen führen kann, ist nachvollziehbar. Es gibt allerdings
auch unzählige Erfahrungen von Menschen, die ausschließlich
hilfreiche Stimmen erfahren und diese deshalb auch nicht als belastend
erleben.
· Der erste Schritt in Richtung Hilfe ist, dass
man wertfrei das Phänomen Stimmenhören als solches akzeptiert.
· Ein zweiter Schritt ist, nach Erklärungen zu suchen, wofür
die Stimmen in der eigenen Biographie stehen, ihren Sinn zu verstehen
oder ihnen Sinn zu geben.
· Der dritte Schritt heißt - wie von uns allen in der Pubertät
durchlebt - schrittweise Autonomie gewinnen; gegenüber den Stimmen
erwachsen werden, sie nicht jederzeit von uns selbst Besitz ergreifen
lassen; ihre Meinung respektieren, aber auch die eigene Meinung vertreten
lernen.
Am Ende eines langen Aneignungsprozesses sollte ein Arrangement
gegenseitigen Verständnisses stehen, in dem Respekt und Differenz,
Verletzung und Versöhnung selbstverständlich werden.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie merken schon,
dass entgegen dem symptombezogenen Verständnis der medizinischen
Psychiatrie es nicht Ziel ist, die Stimmen zu beseitigen, sondern vielmehr
im Sinne eines inter-infra-therapeutischen Prozesses eine gemeinsame
Lebensform zu finden.
Seit Beginn der Forschungsarbeit von Prof. Dr. Marius
Romme, Sandra Escher und ihren Kollegen in den Niederlanden über
das Stimmenhören war es das Ziel, die neuen Erkenntnisse mit Stimmenhörern,
psychosozial tätigen Personen und Organisationen in Europa und
außerhalb Europas auszutauschen. Im Rahmen dieses internationalen
Austauschs fanden Besuche in Maastricht sowie internationale Symposien,
Vortragsreihen und Kongresse statt.
Ich selber war Anfang 1999 bei einem Stimmenhörerkongress
in den Niederlanden als Repräsentant von Österreich gemeinsam
mit einer unseren Begleitpersonen. Dieser Kongress war eigentlich die
Abschiedsveranstaltung für Prof. Romme, der sich nach langjähriger
Tätigkeit in Maastricht in den verdienten Ruhestand zurückzog.
Für mich war der Besuch in Holland eine willkommene Abwechslung
von meinem etwas tristen Leben in Linz. Ich habe früher selbst
einige Jahre in Holland gewohnt und spreche fließend Holländisch,
zumal meine geschiedene Frau aus Belgien stammt. ...
Linzer Selbsthilfegruppe Stimmenhören
Unsere Selbsthilfegruppe in Linz ist in Österreich die derzeit
aktivste auf diesem Gebiet. Wir treffen uns jeden zweiten Mittwoch im
Monat. Darüber hinaus haben wir noch eine Kerngruppe, die sich
zweimal im Monat zu organisatorischen und inhaltlichen Belangen trifft.
In der nächsten Zeit planen wir in Linz einen Malworkshop
mit dem Thema Den Stimmen Gestalt geben. Dieser Workshop wird von ausgebildeten
TherapeutInnen betreut werden, und wir Stimmenhörer sehen voll
Erwartung diesem Event entgegen. Im Konzept für den Workshop liest
man: Wenn wir Bilder erschaffen, erschaffen wir Seele. Wenn wir Bilder
entstehen lassen, geben wir der Seele Gestalt. ...
Ich bedanke mich für Ihr Interesse.
Angst sitzt!
Der in Selbstzweifeln
ausgelöste innere Kampf,
der vorangegangenerweise
durch Stimmen ausgelöst wurde,
in beschämender Weise
deine Wege zu gehen,
weil du einerseits noch nicht weißt,
wie gut du bist,
andererseits, aus seelischen Verletzungen,
wo du danach
deine Standpunkte
deine Richtung
deine Mauern im Leben
in einer Art und Weise
aufgebaut hast,
dass der Widerspruch sich
entweder im Fallen
oder neuen Mutfassen beginnen
äußert.
Andreas Galli
Die Frankfurter Selbsthilfegruppe
Wir sind eine Gruppe von Menschen, die eine oder mehrere
Stimmen hören.
Durch regelmäßige Gruppentreffen möchten
wir die Möglichkeit schaffen, über Probleme mit dem Stimmenhören
zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen.
Das oft plötzliche Auftauchen der Stimmen macht am
Anfang große Angst. Keiner kann sich erklären, woher diese
Stimme oder diese Stimmen kommen. Viele Stimmen hörende Menschen
haben Erfahrungen mit der Psychiatrie gemacht. Andere Menschen dagegen
konnten sich weiterhin ohne diese Hilfe im Leben behaupten.
Gespräche mit Gleichgesinnten werden oft als hilfreich
empfunden. Durch das Kennenlernen von bewährten Strategien und
die Erarbeitung von neuen Strategien im Umgang mit den Stimmen hoffen
wir eine Erleichterung im Alltag zu finden.
Wir freuen uns über andere Stimmenhörer und
Stimmenhörerinnen, die sich uns anschließen wollen.
Wir treffen uns immer am ersten und dritten Dienstag im
Monat um 17 Uhr im Psychosozialen Zentrum Gallus in der Speyerer Straße
3.
Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Anmeldung und weitere
Auskünfte unter der Telefonnummer 069-73 99 35 17.
Anneke Born
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Bremen
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Hallo, liebe Leute,
ich würde mich sehr freuen, mit euch in Kontakt
zu treten und Erfahrungen auszutauschen. Ich weiß aus eigener
Erfahrung, wie wichtig der Kontakt zwischen Betroffenen für diese
sein kann und wie wichtig es ist, auch trialogisch, sprich Betroffene,
therapeutisch Tätige und Angehörige, miteinander umzugehen.
Als ich begann, Stimmen zu hören, war ich mit meinem Erleben völlig
allein. Aufgrund meiner jahrelangen Beschäftigung mit dem Phänomen
Bewusstsein, zum Beispiel durch Meditation auf der praktischen und alles
Erreichbare lesen auf der theoretischen Seite, neigte ich zu einer eher
esoterischen Deutung meines Erlebens. Dies schützte mich nicht
davor, in geradezu erschreckender Weise unter meiner Stimme zu leiden
und allmählich starke Einbußen in meiner Persönlichkeit
festzustellen. Das Schlimmste jedoch war die fehlende Möglichkeit,
über meine Erfahrungen zu kommunizieren.
Ich stellte schnell fest, dass professionelle Psychiatrie zwar schnell
mit pathologischen Kategorisierungen und körperlich einschränkenden
Medikamenten bei der Hand ist, bei der psychologischen Erfassung aber
häufig jedes Einfühlungsvermögen vermissen lässt.
Die Art und Weise, wie ich zu einer Übereinkunft mit meiner Stimme
kam - was dafür sorgte -, dass ich seit über vier Jahren im
Alltag keine Probleme mehr habe, ist zwar nicht auf andere übertragbar
im Sinne einer praktizier- und wiederholbaren Methode, hat aber für
mich den Vorteil, heute davon ausgehen zu können, dass im Zentrum
allen Bemühens um Hilfe und Verbesserung der Lebensumstände
die Akzeptanz der Persönlichkeit des Betroffenen stehen muss.
In der von mir gegründeten Gruppe habe ich die Erfahrung gemacht,
dass viele bereits sehr positiv und entlastet reagieren, wenn sie merken:
hier nimmt man mein Erleben ernst. Ich bemühe mich unter anderem
darum, meinen Betroffenen einen ersten Einblick in die Tatsache zu ermöglichen,
dass die sich an das Phänomen Stimmenhören anschließenden
persönlichen eigenen oder fremden Deutungsversuche am Kern des
Problems vorbeizielen, zumal es keine alle zufriedenstellenden Deutungen
gibt. Sich selbst und seine Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen
und mit dem Erlebten als einer Realität umzugehen halte ich für
wesentlich wichtiger.
Dies beleuchtet nur in Kürze, was in unserer Selbsthilfegruppe
so passiert. Ich würde mich freuen, von euch zu hören, und
hoffe, mit euch einen fruchtbaren Kontakt aufbauen zu können.
Unsere Gruppe trifft sich einmal im Monat am 2. Sonntag
um 16 Uhr im Gesellschaftshaus im ZKH Bremen-Ost.
Torsten
Rezension: Stimmenhören verstehen
und bewältigen
von Ron Coleman und Mike Smith
Dies ist ein sehr ungewöhnliches Buch, ein Arbeitsbuch
für StimmenhörerInnen. Anders als in anderen Büchern,
die mehr zum Nachlesen und Nachschlagen dienen, muss hier aktiv mitgearbeitet
werden, sonst hat der Gebrauch des Buchs keinen Sinn.
Es stammt aus der englischen Selbsthilfebewegung der StimmenhörerInnen
und wurde als Instrument der Selbsthilfe entwickelt. Durch Beantworten
von Fragen, Erfüllung von Aufgaben, Aufschreiben der eigenen Biographie
etc. nähert sich die Stimmen hörende Person immer mehr ihrem
persönlichen Erleben an und erforscht es aus den verschiedensten
Blickwinkeln.
In weiten Teilen geht es um Bewältigungsstrategien,
wie zum Beispiel die Zeit zu strukturieren, die man mit den Stimmen
verbringt. Hier ist es auch sehr wichtig - sofern möglich -, mit
den Stimmen zu verhandeln und die Ergebnisse zu protokollieren. An keiner
Stelle im Buch geht es darum, die Stimmen auf jeden Fall zum Verschwinden
zu bringen. Es wird auch auf ihren Sinn verwiesen, zum Beispiel als
Möglichkeit, mit belastenden Lebensereignissen fertigzuwerden.
Schließlich geht es um die Entwicklung von Strategien im Umgang
mit den Stimmen. Das Buch schließt mit dem ABC der Bewältigungsstrategien,
einer alphabetischen Liste, mit den Stimmen umzugehen.
Das Buch ist ein sehr konstruktiver Beitrag zum Phänomen
des Stimmenhörens, es kann beispielsweise in Therapie oder Selbsthilfegruppen
sehr sinnvoll angewendet werden, um den persönlichen Umgang mit
den Stimmen zu verbessern. Auf die Erfahrungen von StimmenhörerInnen
mit diesem Arbeitsbuch kann man gespannt sein. Schade ist nur, dass
der sehr schöne englische Titel Working with Voices mit Stimmenhören
verstehen und bewältigen übersetzt wurde, ist es doch nicht
automatisch so, dass wer seine Stimmen versteht, sie auch bewältigt.
Das Buch ist erschienen im Psychiatrie-Verlag und kostet
24,80 DM.
Julie Tränkle
Stimmen hörende Menschen aus Kunst,
Gesellschaft und Religion
von Imke Skierlo
Wir setzen unsere Reihe mit einer Gestalt des Alten Testaments
fort:
Samuel
Samuel war der letzte Richter Israels. Seine Eltern Elkana und Hanna
blieben lange Zeit kinderlos. Hanna war darüber sehr unglücklich.
Nach einer Begegnung mit dem Priester Eli im Tempel weissagte Eli ihr
die Geburt eines Sohnes. Als Dank an Gott, von der Schmach der Kinderlosigkeit
befreit zu sein, übergab Hanna Samuel noch als Kind an Eli als
Diener (1. Sam 3, 1-21).
Ganz genau beschreibt die Bibel, wie bei Samuel erstmals
die Stimme Gottes auftauchte: ...Zu jener Zeit kam es nur noch
selten vor, dass Gott der Herr zu einem Menschen sprach oder ihm im
Traum erschien..... Eines Nachts schlief Eli an seinem gewohnten Platz,
und auch Samuel schlief ... Die Lampe im Heiligtum brannte noch. Da
rief der Herr: Samuel! Ja, antwortet der Junge, lief schnell zu Eli
und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Nein, sagte Eli, ich
habe nicht gerufen. Geh wieder schlafen. Samuel ging und legte sich
wieder hin.
Noch einmal rief der Herr: Samuel!, und wieder stand der Junge auf,
ging zu Eli und sagte: Hier bin ich , du hast mich gerufen. Aber Eli
wiederholte: Ich habe dich nicht gerufen, geh nur wieder schlafen!
Samuel wusste nicht, dass es der Herr war; denn er hatte seine Stimme
noch nie gehört. Der Herr rief ihn zum dritten Mal, und wieder
ging Samuel zu Eli und meldete sich. Da merkte Eli, dass es der Herr
war, der den Jungen rief, und er sagte zu ihm: Geh wieder schlafen,
und wenn du noch einmal gerufen wirst, dann antworte: Sprich Herr, ich
höre! ...(Sam 3, 1-9)..
Samuel hat sein ganzes Leben lang immer wieder Gottes
Stimme gehört. So befahl ihm Gott auf Drängen des Volkes hin,
Saul als ersten König Israels einzusetzen, ließ das Volk
aber auch gleichzeitig vor der Einsetzung einer Monarchie warnen. Gott
selbst wollte Israels König sein und bleiben (1. Sam. 8). So hatte
Samuel später auch die Aufgabe, Saul abzusetzen und an seiner Statt
David als König einzusetzen (1. Sam. 16,13).
Imke Skierlo
Hallo!
Als schwer Traumatisierte mit einer Viele-Struktur bestand
meine Selbsthilfe bis zum heutigen Tag darin, mich schlau zu machen,
zu informieren. Besonders die Berichte von anderen Betroffenen waren
für das eigene Verstehen und zur Stütze sehr wichtig.
Insgesamt kann man doch feststellen, dass die Aufklärung
und somit Hilfe im Bereich DIS/MPS zunimmt und sich verbessert. Die
Betroffenen selbst überwinden ihre Isolation, es entstehen immer
mehr Selbsthilfezeitschriften und -gruppen.
Auch ich möchte nun einen Schritt weitergehen und
übers Netzwerk eine Selbsthilfegruppe für Leute mit DIS/MPS
gründen. Wer also in Berlin wohnt und Interesse hat: bitte melden!
Bettina B.
c/o Netzwerk Stimmenhören e.V.
Wege
Es ist Sommer.
Du sitzt auf einer Wiese,
grün und saftig,
unter einem Baum.
Du schaust auf die Blätter,
auf die Äste.
Sie verformen sich in
dick und dünn
wie Wege im Leben,
die genauso sein können.
Siehst du deine dünnen Wege?
Siehst du die dicken Wege?
Unehrlichkeit zu sich selbst,
Abwege
Glaube,
es gibt Wege des Lichts,
die stark sind
wie die starken Äste.
Martin Hagel
Mitglied werden im Netzwerk Stimmenhören
e.V.
Formular zum Online-Beitritt
Unsere Hauptziele sind, uns gegenseitig zu helfen und
zu stützen und mehr Toleranz, Verständnis und Akzeptanz in
der Gesellschaft für das Phänomen Stimmenhören zu erreichen.
Dabei setzen wir auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit und Partnerschaft
von Stimmen hörenden Menschen, deren FreundInnen und Angehörigen
und in psychiatrischer und psychotherapeutischer Praxis und Forschung
Tätigen. Mitglied im NeSt kann jede/r werden, die/der unsere Ziele
unterstützt und zu ihrer Verwirklichung beitragen möchte.
Das NeSt bietet:
Kommunikation
In Selbsthilfegruppen, trialogisch besetzten und therapeutisch begleiteten
Gruppen besteht die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs und der
aktiven Mitarbeit.
Unser kleines Stimmenhörerjournal
Mitgliederrundbrief des NeSt, informiert u.a. über Aktivitäten
der Stimmenhörer-Bewegung im In- und Ausland, enthält Erfahrungsberichte,
erscheint vierteljährlich und kann - unabhängig von der Mitgliedschaft
- abonniert werden.
Fortbildungsseminare
Wir bieten zu unserem Thema ein- und zweitägige Seminare an, möglich
ist aber auch der Besuch verschiedener Einrichtungen für eine zwei-
bis dreistündige Kurzfortbildung. Damit möchten wir Verständnis
wecken und einen neuen Zugang zum Stimmenhören vermitteln.
Koordination und Kooperation
Wir arbeiten mit anderen Verbänden zusammen, um die Diskussion
zum Phänomen Stimmenhören auch dort voranzutreiben, indem
wir u.a. auf ihren Veranstaltungen Vorträge halten und Arbeitsgruppen
gestalten.
Veranstaltungen
Zu unserem Thema haben wir schon mehrere Tagungen durchgeführt
und bieten diese auch weiter an.
Internet
Auf unserer Homepage www.stimmenhoeren.de im
Internet finden Sie u.a. auch verschiedene Stimmenhörerjournale,
sowie nationale und internationale Kontaktpersonen