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Unser kleines Stimmenhörerjournal

Inhalt Ausgabe 3/2000
Rundbrief Netzwerk Stimmenhören e.V.
4. Jahrgang
September 2000
 

Bezugsquelle gedrucktes Journal
Vorwort
Eine optimistische Geschichte
WÜSTE
Naturrechte auf innere Freiheit u. Eigenkreativität
Achten statt ächten
ANGST SITZT
Die Frankfurter Selbsthilfegruppe
Bremen
Rezension Stimmenhören verstehen und bewältigen
ABC der Bewältigungsstrategien aus dem Arbeitsbuch (leider nicht in der Online-Version)
Stimmen hörende Menschen aus Kunst...
WEGE
Aufruf zur Gründung einer MPS-Gruppe
Mitglied werden im NeSt, Beitrittserklärung

Sämtliche persönlich gekennzeichneten Beiträge entsprechen nicht unbedingt der Meinung des Vorstands oder der Redaktion
 
 

Erscheinungsweise
vierteljährlich, zum Ende des Quartals

Bezugspreis
Jahresabo incl. Zustellung 20 DM
Förderabo 40 DM
Einzelheft 3 DM (plus 1,50 DM Porto)
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Für NeSt-Mitglieder ist Unser kleines Stimmenhörerjournal
 im Mitgliedsbeitrag enthalten

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Fast ist der Sommer nun vorbei, die Ferien liegen hinter uns, aber nicht alle waren im Urlaub, sondern haben fleißig gearbeitet.

Wir haben zwei Selbsthilfegruppen entdeckt, die schon eine ganze Weile existieren und nun zum Netzwerk gestoßen sind: Aachen und Bremen. Wir freuen uns, dass sie uns erlaubt haben, sie in unsere bundesweite Liste mit aufzunehmen.

In Chemnitz gibt es jetzt auch eine Kontaktperson für eine Selbsthilfegruppe, unser Dank geht an Frau Hommula, die sich dafür zur Verfügung gestellt hat.

In Frankfurt a.M. hat sich die Selbsthilfegruppe etabliert und tagt regelmäßig (s. Berichte über Frankfurt und Bremen).

Mehrere Anfragen und der Wunsch nach einer Selbsthilfegruppe im Raum Dresden haben uns veranlasst, Kontakt mit dortigen psychiatrischen Zentren und Selbsthilfe-Beratungsstellen aufzunehmen. Vielleicht weiß noch jemand, wo wir uns hinwenden könnten. Auf jeden Fall wollen wir versuchen, dort eine Informationsveranstaltung zu organisieren.

In Frankfurt a.M. gab es eine Psychiatrie-Woche, wo Anneke Born und Karin Römer unser Netzwerk vertreten haben mehr dazu im nächsten Stimmenhörerjournal.

In Berlin gibt es nun endlich eine feste Redaktionsgruppe, die sich regelmäßig trifft. Unsere nächste öffentliche Redaktionssitzung wird am 23. Oktober um 18 Uhr in den Räumen des Netzwerks im S-Bahnhof Schöneberg stattfinden. Wir wollen nach wie vor allen die Möglichkeit geben, selbst an der Gestaltung unseres Journals mitzuwirken und freuen uns immer sehr über Beiträge. An dieser Stelle möchten wir noch einmal insbesondere die Angehörigen, aber auch die in der Psychiatrie Tätigen ermutigen, für unser Journal zu schreiben.

Auf der Redaktionssitzung im Oktober wollen wir überlegen, wie wir thematisch gestaltete Journale herstellen können und welche Themen sich dafür eignen. Ihre/Eure Meinungen, liebe Leserinnen, liebe    Leser, sind also unbedingt gefragt. Vielen außerhalb Berlins wird es leider wohl nicht möglich sein, persönlich teilzunehmen, aber ein Brief, ein Fax, ein Anruf oder auch eine E-Mail sind für uns genau so wichtig wie das persönliche Erscheinen. Diese öffentlichen Redaktionssitzungen sollen einmal vierteljährlich stattfinden und werden künftig unter dieser Rubrik angekündigt.

Auch im Netzwerk gab und gibt es Umstrukturierungen: Anneke Born ist die Koordinatorin unserer Selbsthilfegruppen und Kontaktpersonen, Karin Römer ist unsere Fortbildungskoordinatorin und Andreas Gehrke wird ab 2001 die Koordination unseres Journals übernehmen.

Wir sind gespannt, wie sich alles weiterentwickeln wird, und schauen voll Zuversicht in den kommenden Herbst.

Jetzt bleibt uns nur noch, allen eine angenehme Lektüre zu wünschen.

Herzliche Grüße
für die Redaktion
Hannelore Klafki
 
 

Eine optimistische Geschichte

   Hoffnung ist nicht Optimismus,
   nicht die Überzeugung,
   dass etwas gut ausgeht,
   sondern die Gewissheit,
   dass etwas einen Sinn hat -
   ohne Rücksicht darauf,
   wie es ausgeht.
     Vaclav Havel

Ich bin seit 1986 Stimmenhörer. Um mit dem Ergebnis gleich anzufangen: Der Ausgang der Geschichte, die ich erzählen will, ist optimistisch. In einer Schrift, die ich aus Anlass der Stimmen zusammengestellt habe, schrieb ich unter anderem Folgendes: Sie, die Krankheit, hat mir neue Denkweisen, eine neue Herangehensweise an das Problem von Leben und Tod gegeben. Sie lässt mich bewusster und gelassener mit dem Leben umgehen ... Eine wichtige Erfahrung habe ich machen müssen, nämlich die, Körper, Geist und Seele wirklich zu jeder Zeit in Einklang zu bringen ... Interessant sind für mich Haltungen geworden, mit denen man dem Leben gegenübersteht oder in das Leben eintaucht.

Doch wie war mein Leben vor dem Beginn des Stimmenhörens?
Es war geprägt von ständigen geistigen und körperlichen Überforderungen. Erst war ich über zehn Jahre in der Armee. Diese Jahre waren nicht leicht und haben die nächsten geprägt. Ich habe später als ausgebildeter Archivar einige Archive in Dresden und Berlin geordnet, habe später auch Geschichte studiert. In der Freizeit beschäftigte ich mich mit theoretischer Atomphysik. Meine Devise war, heute besser zu sein als gestern und morgen noch besser. Und so, wie ich mich selbst gejagt habe, bin ich auch mit anderen Menschen umgegangen. Um die seelische Verfassung habe ich mich zu dieser Zeit nicht gekümmert.

War das manchmal schon ein trostloses Leben, wurde das noch wesentlich schlimmer zu Zeiten der vielen Psychosen, die ich infolge des Stimmenhörens bekam. Die Psychosen setzten mit dem vierzigsten Lebensjahr ein. Die Nervenärzte haben dafür eine eindeutige Diagnose: paranoide Schizophrenie!
Es ist über zehn Jahre hinweg ein ewiger Kreislauf gewesen. Zuerst habe ich Stimmen gehört und mit ihnen gekämpft, habe mich danach in psychotische Zustände hineingesteigert. Danach hat die Behandlung eingesetzt mit Medikamentengaben - zumeist Neuroleptika -, und die Stimmen verschwanden nach einiger Zeit. Bis zum nächsten Schub habe ich mehr oder weniger erfolgreich die Ereignisse verdrängt. Innerhalb von elf bis zwölf Jahren geschahen diese Zyklen mindestens fünfzehnmal.

Natürlich habe ich nicht verstanden, warum gerade ich ein solches Schicksal zu erleiden hatte. Die Stimmen gehörten dem religiösen Bereich an, waren also Vertreter von Himmel und Hölle. Ich hatte mich zu dieser Zeit zu einem konsequenten Atheisten entwickelt, der die Welt so einfach wie möglich zu erklären versuchte. Diese exotische Welt, in der sich die Stimmen befanden, stellte gewissermaßen eine andere Welt dar, in der verstorbene Seelen wohnten und den ständigen Kontakt zu unserer, der realen Welt suchten. Ich bin in die Kämpfe eingebunden worden, habe aber von alledem nichts verstanden. So vergrößerte sich zusehends mein Dilemma. Erst viel später bekam ich eine leise Ahnung von dem Sinn der Vorgänge. Langsam habe ich begriffen, dass die Ereignisse viel mit meiner geistigen und seelischen Verfassung zu tun hatten, auch zu großen Teilen mit meiner Biographie. Verhärtungen im Denken, Fühlen und Handeln sind durch oftmals lange Kämpfe und Auseinandersetzungen aufgebrochen worden. Die Stimmen, so deprimierend sie auch gewirkt haben, haben mich schließlich zu Tugenden im Denken und Fühlen zurückgeführt, die längst vergessen schienen. Dafür möchte ich einige Beispiele anführen.

Durch die konsequente atheistische Auffassung damals kam es zur Verarmung der Ansichten über die Welt im Allgemeinen und der Naturgesetze im Besonderen. Ich habe mit Hilfe der Atomphysik versucht, die Welt auf ein ganz einfaches Modell zu versimpeln. Zu Recht haben meines Erachtens die Stimmen den religiösen Bereich gewählt. Hier habe ich erfahren müssen, dass es noch andere Dinge - besonders im Bereich des Fühlens - gab. Mitten in eine andere, mir unbekannte Welt gestellt, musste ich mich positionieren, musste Partei ergreifen für die Unterdrückten, nicht nur zuschauen. Dabei wurde mir mehrmals übel mitgespielt, so dass ich eines Tages bei Suizidgedanken die Erkenntnis gewann: Gott hat nicht die Voraussetzungen für mein Leben geschaffen, damit ich es einfach wegwerfe. Eben eine Kette solcher Erkenntnisse hat mich zum Gläubigen gemacht. Jetzt konnte ich plötzlich aus ganz neuen Quellen schöpfen, die zum Beispiel Glauben, Mitgefühl und Nachsicht heißen. Der christliche Glaube ist meine Wurzel, doch ich schöpfe auch aus anderen Weltreligionen. Deshalb wird der Herr Pfarrer keine große Freude an mir haben, denn ich meine, dass jeder Arm des Kristallleuchters sein Licht aussendet.

Ein weiteres Problem sind die Todesdrohungen durch Vertreter der Hölle gewesen. Die Stimmen haben mich ganz auffällig stets auf das Problem des eigenen Todes hingewiesen und mich mit allerlei Verboten belegt. Diese konnte ich nicht immer einhalten. Ich glaube mich einigermaßen ritterlich in der besonderen Welt benommen zu haben, aber ich habe mich mit großer Angst über manches dieser Verbote hinweggesetzt. Besonders problematisch war immer, über die Erlebnisse in jener Welt mit Angehörigen, Freunden und Ärzten zu sprechen. So ist schließlich herausgekommen, dass ich jetzt das durchsetzen muss und kann, was ich für richtig halte. Anderseits hat sich ein ganz natürliches und entspanntes Verhältnis zu Leben und Tod, besonders zum eigenen, ergeben. Ich weiß, dass es die richtige Minute sein wird, wenn ich einmal die große Reise antrete, so einfach ist das.

Vielleicht noch ein anderes Beispiel:

Als junger Mann hatte ich mir vorgenommen, irgend eine große Leistung oder Erfindung zu vollbringen. Mit vierzig musste ich feststellen, dass es damit wohl nichts werden würde. Vielleicht hat diese Erkenntnis eine so genannte Midlife-Krise ausgelöst. Etwa zum gleichen Zeitpunkt meldeten sich die ersten Stimmen. Wenig später haben die Stimmen vorgeschlagen, mich zu einem ganz Großen zu machen. Zuerst wollten sie mich zum neuen Jesus Christus erheben. Als ich zögerte, wollten sie mich späterhin zum Herrn der Welt, zum Stellvertreter Gottes, schließlich zum Erzengel Gabriel und sogar zum Antichristen machen. Instinktiv habe ich mich gegen solche Angebote gewandt, obwohl es nicht immer leicht war. Späterhin war ich glücklich, nur der einfache Mensch geblieben zu sein. Auch hier habe ich einen Lernprozess durchmachen müssen, nämlich den, mich um keinen Preis zu erhöhen, denn dann fällt man gehörig auf die Nase. Eben das haben mir die Stimmen indirekt vermittelt. Auch hier habe ich Bedeutendes dazulernen dürfen.
Die Kette des Neulernens und -erlebens könnte ich noch erweitern. Ich habe beim Durchblättern meiner Schrift festgestellt, dass mindestens zehn unterschiedliche Lernprozesse eingesetzt haben. Die Schrift hat 31 Kapitel, es könnten also noch bedeutend mehr Dinge in der Seele, im Fühlen und Denken umgestürzt worden sein. Bei diesen Erkenntnissen setzte bei mir das große Staunen ein, denn das Programm der Stimmen hat genau auf meine geistige und seelische Situation gepasst. Die Stimmen haben zumeist Gegenpositionen bezogen, um mich zu vernünftigen Haltungen zu bewegen, und das ausdrücklich und dauerhaft. Mir kommt es heute wie ein Wunder vor, dass genau meine Schwachpunkte erkannt und sogar psychisch effektiv behandelt worden sind. Die Dinge, die ich lernen musste, sind nun bis in den letzten Winkel der Seele verankert worden. Deshalb musste ich wahrscheinlich durch so tiefe Täler der Tränen wandern. Diese Erkenntnisse lassen mich bewegt auf die Unerschöpflichkeit der Natur, auf die Weisheit von Gottes Schöpfung blicken.

Der Wendepunkt, da, wo die Stimmen aufhörten, mich angeblich zu quälen, war, als ich erkannte: Die können das gar nicht (wollen es auch nicht), womit sie so vollmundig gedroht haben. Ich bekam schließlich ein Gefühl der Überlegenheit, weil die Stimmen immer nur redeten und schimpften. Ich aber kann handeln!
Seit zirka drei Jahren bin ich glücklicher als je zuvor. Heute weiß ich, dass die Stimmen meine Freunde und Gäste sind. In der Regel kommen sie nur noch bei Meditationsübungen, und darüber bin ich sehr erfreut. Die meisten seelischen Probleme, die ich jahrelang mit mir umherschleppte, sind gelöst. Mit viel Gelassenheit blicke ich auf die Prozesse, die um mich herum geschehen. Mein Urteilsvermögen hat sich dadurch wesentlich geschärft.

Den eigentlichen Umschwung zu einem glücklicheren Leben hat eine wichtige Geistesarbeit gebracht. Ich habe in meinem Geiste mich bei all denen entschuldigt, denen ich im Verlaufe des Lebens Unrecht zugefügt habe. Eine ziemlich große Anzahl von Menschen kam da zusammen. Schließlich waren der Teufel und die anderen Stimmen dran - plötzlich konnte ich spontan wieder lächeln. Das hat offenbar die tiefe Depression durchbrochen, in der ich damals steckte. Heute weiß ich, dass diese symbolische Handlung, die nicht leichtgefallen ist, den Schlusspunkt unter eine lang anhaltende Verkrampfung der Seele und des Geistes gesetzt hat. Danach sind Lebenslust und Freude wie von selbst wiedergekommen. Heute ist das besagte Glitzern in den Augen wieder da, so, wie es Karin in Unserem kleinen Stimmenhörerjournal Heft 1/1999 berichtet hat.

Andreas Gehrke
 
 

WÜSTE

von Imke Skierlo

Jesus Christus
vierzig Tage in der Wüste.
Versuchung des Teufels
nennt man das.

Zum Abschluss dieser Zeit
servierte ihm der Teufel
ein Suizidangebot.

Er widerstand. -

Wer sind die Menschen,
die vom Teufel versucht
durch die Straßen laufen,
schreiend, in der Hoffnung,
den Teufel in die Schranken
verweisen zu können, zu dürfen?

Würde Jesus erst heute diese Welt
betreten -
er würde sofort in die geschlossene
Psychiatrie eingeliefert werden,
abgefüllt mit Psychopharmaka ...

WO IST UNSERE WÜSTE
in diesem Land,
wo Menschen wie Jesus
vor sechzig, fünfundsechzig Jahren vergast wurden,
die erkannten, dass man dem Teufel
widerstehen muss - und
UNMENSCHEN wie Hitler ...

WO IST DIE WÜSTE
in diesem unserem Land,
in der WIR die Teufel unserer Zeit
in die Schranken
SCHREIEN dürfen?
                                                             Imke Skierlo
 
 


Naturrechte auf innere Freiheit und Selbstverantwortung

Wir haben Naturrechte auf innere Freiheit und Selbstverantwortung, doch versehentlich entstandene Blockaden verhindern dies. Diese schuldig gebliebenen Rechte können wir uns selbst wieder erarbeiten. Doch wir erhalten sie nur, wenn wir die negativen, niederdrückenden Stimmen (und anderes) auflösen können und das positive Gefühl unseres Wertes dagegen setzen. Wenn ich als Reizauslöser die speziellen Worte oder Sätze höre, die mich negativ beeinflussen, kann ich damit arbeiten. Nichtstimmenhörer haben es schwerer, weil sie im Leeren suchen müssen. Deshalb haben manche Bibelzitate für mich eine tiefe Bedeutung: Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute macht (Ps 11,162). - Ich wache auf, wenn's noch Nacht ist, nachzusinnen über dein Wort (Ps 119,148).- Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht Gott, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? (Jer 23,29) - denn nichts hält diese innere Energie auf.

Warum klingt das für viele Stiimmenhörer/innen nicht gut? Vermutlich, weil viele der Stimmenhörer oft von den Stimmen wenig Positives erfahren. Ich kenne beides und weiß, dass es an dem in uns Gespeicherten liegt. Ich weiß, dass wir den negativen Stimmen unbedingt positive Aussagen dagegen halten müssen, um unseren neu erwachten Willen zu zeigen. Natürlich müssen wir auch die negativen Stimmen versuchen aufzulösen, denn sie haben ja etwas mit unserem bisherigen Leben zu tun. Etwas ist falsch in unserer Muskulatur gespeichert. Wir müssen dazu den Reiz, der immer wieder auftaucht, finden, die Entstehungszeit suchen, klären und emotional zu dem damaligen Schock finden, um frei davon zu werden. Wichtig ist das, weil der Reiz eine unglaubliche Erweiterung auf alle möglichen ähnlichen Begriffe und Gefühle hat und nur halbe Lösungen das Problem oft endlos weiter laufen lässt, weil der Hauptreiz gefunden werden muss. Meine Eigenarbeit an mir war hart in dieser Richtung und ist noch nicht beendet. Auch die Bibel erzählt darüber von Jesus in der Wüste und seinen Kämpfen. Doch: Alle meine Quellen sind in dir! (Ps 87,7).

Deshalb versuche ich, meinem Inneren nicht mehr Panik, Schmerzen oder böse Worte zu erlauben, sondern verlange sofort Erleichterung. Dann frage oder sinne ich oft wütend nach, wo etwas falsch aufgeladen worden sein könnte, um es aufzulösen. Viele wütende und traurige Tränen begleiten diese Lösungsversuche. Oft hat der Krieg damit zu tun und auch Familienkriege, Unglücksfälle oder falsche Erziehung. Aus so einer Konstellation entstand meine spätere Psychose, und aus dieser entwickelte sich noch später mein Stimmenhören und feinfühliges Wahrnehmen innerer Vorgänge. Oft höre ich nicht Stimmen, sondern bin mehr in Kontakt mit meinem Inneren über Fühlen (auch Sehen), was sich in meinem Körper bewegt, in einem Organ, auf der Haut oder in Kopf oder Gehirn, oft auch muskelverkrampft oder schmerzhaft. So kommuniziert mein Inneres mit mir über meine Organe, die je nach Gefühl zu spüren sind oder mir auch symbolisch etwas anzeigen sollen.

Der Inhalt meiner Psychose vor zehn Jahren war: In fünf Tagen sterbe ich. Das gab einen großen Aufruhr in meiner Familie. Komischerweise hatte ich keinerlei Angst, erst später am fünften Tag war ich in Verwirrung über meine komischen Ideen. Die Zahl fünf  verfolgte mich unglaublich noch längere Zeit. Später analysierte ich dies mit Hilfe eines Buches aus der Hitlerzeit und den früheren Angaben meiner Mutter, mir sei vor meiner Geburt durch eine erschrockene Bewegung durch sie (wegen Geschrei im Radio, als Hitler in Österreich einmarschierte) die Nabelschnur um den Hals gerutscht (der Einmarsch Hitlers in Österreich war fünf Tage vor meiner Geburt, laut Bucheintragung), ich hing deshalb fünf Tage in der abwürgenden Schlinge. Bei meiner Geburt, fünf Tage später, zog sich dann die Nabelschnur infolge der Überdehnung zu, ich wäre fast tot gewesen, doch der herbeigerufene Arzt mit der Hebamme retteten mich. Meine Eltern freuten sich nicht über das zweite Mädchen, es sollte doch ein Hitlerjunge sein. Auch das spürte das Kind damals emotional, zu dem anderen Schock. Zur Aufklärung hatte ich viele Träume, Tagträume und Visionen. Seit 1991 arbeite ich daran, weil es alleine schwerer geht, doch ich fand niemand, der so viel Mut hat, mich eventuell durch eine neue Psychose zu begleiten.

Zu den Stimmenhörern gehöre ich seit ungefähr acht Jahren. Ich ging damals zu einem neuen Therapeuten. Als ich vor dessen Haus stand, hörte ich eine Stimme zu mir sagen: Das ist nicht dein Haus. Tatsächlich konnte er mir nicht helfen. Heute weiß ich, mein Haus ist mein Körper (symbolisch: Körper, Haus, Kirche, Tempel, Dom).

Stimmenhören: Ich hatte im Sommer vier Wochen die zwei Hunde meiner Freundin betreut, einen großen Dogge-Rüden und eine kleine Ungarische Hirtenhündin. Auf der Heimfahrt im ICE, tief entspannt und etwas müde, hörte ich plötzlich aus dem Nebenabteil meine zwei Hunde bellen. Ein mit im Abteil sitzender Mann hörte nichts, es waren ja auch nur meine Stimmen, die mich verblüfften. Und neulich sprach ich eingehend mit zwei Tinnitus-Betroffenen, worauf ich einen Tag später plötzlich während eines Gesprächs einen leisen Pfeifton für längere Zeit im rechten Ohr hatte; gedanklich verlangte ich die Beendigung. Als ich später allein war, bekam ich dasselbe plötzlich wieder, war dann sehr ärgerlich und verlangte von meinem Inneren, es solle sofort mit diesem Quatsch aufhören. Und es hörte auf. Ich hatte schon immer vermutet, dass dem Tinnitus die gleichen Ursachen zugrunde liegen wie beim Stimmenhören. Allerdings wissen die Betroffenen normalerweise nicht, dass sie mit dem Tinnituserzeuger kommunizieren könnten und die seelische Ursache suchen können und sollten. Gelegentlich merke ich auch, dass telepathische Fähigkeiten in mir reagieren, ich nehme Gedankenübertragungen auf. Plötzlich denke ich, jemand bestimmtes anzurufen - dann läutet schon das Telefon und der oder die Betreffende ist am Apparat.

Der Austausch über unsere Selbsthilfezeitung ist mir sehr wichtig und hilfreich. Ich danke allen für ihre aufschlussreichen Beiträge.
Ingrid Peters
 
 

Achten statt ächten

Auszug aus einem Vortrag, der an der Universitätsklinik Wien von Stephanus Binder am 11. Mai 2000 im Rahmen einer Vortragsreihe von Prof. Dr. Peter Stastny, Psychiater in New York, gehalten wurde:

Ich heisse Stephanus Binder, bin Jahrgang 1959 und in Freistadt in Oberösterreich geboren. Derzeit lebe ich allein in Linz. Seit meinem 25. Lebensjahr höre ich Stimmen und bin auch seit 1985 psychiatrieerfahren. Seit 1996 besuche ich die Selbsthilfegruppe für Stimmenhören, die in Linz unter der Begleitung von zwei Professionisten von EXIT-sozial geführt wird.

Stimmenhören bedeutet für mich eine Art zusätzlicher Wahrnehmungsfähigkeit. Man erlebt eine virtuelle Familie, mit der man sich unterhält und die einen unterhält. Es ist also gesprochenes Wort, das jedoch nur für den Stimmenhörer hörbar ist. Und wie in jeder herkömmlichen Familie auch, gibt es gute und schlechte Beziehungen. Das sind dann die Stimmen, die uns aufmuntern und helfen, oder solche, die uns belasten und rigide beschimpfen.

Für mich ist in den sechzehn Jahren des Stimmenhörens jedoch eines klar geworden: Man kann die Stimmen nicht von ihren Inhalten isoliert betrachten. Genau so wie im so genannten normalen Leben jeder Mitmensch seinen speziellen Charakter hat, der sich vielseitig äußert, haben auch unsere Stimmen, die wir Stimmenhörer hören, eine Identität. Wir müssen uns mit dieser auseinandersetzen.

Oft erleben wir, dass StimmenhörerInnen sogar ihre nächste Umgebung über diese Geschehnisse nicht informieren. Meist geschieht das aus Scham oder auch aus dem Gefühl heraus, für verrückt gehalten zu werden.

Vielleicht erinnern auch Sie sich noch an das Gefühl, welches uns anlässlich der Erstkommunion beschlich, wo man glauben sollte, dass Gott alles sieht und alles hört. Das führt dazu, dass viele Stimmenhörer ihr Phänomen einem religiösen Kontext oder Geschehen zuordnen. Leider gibt es meines Wissens seitens der katholischen Kirche und ihrer Institutionen keine Aufmerksamkeit für dieses Phänomen. Hier fehlen weitestgehend Aufklärung und Information.

Besonders bedrohlich kann das Leben unter dem Einfluss von Stimmen sein, wenn diese wiederholt den Selbstmord des Stimmenhörers fordern. Dass dies zu äußerst angstbesetzten psychischen Zuständen führen kann, ist nachvollziehbar. Es gibt allerdings auch unzählige Erfahrungen von Menschen, die ausschließlich hilfreiche Stimmen erfahren und diese deshalb auch nicht als belastend erleben.

· Der erste Schritt in Richtung Hilfe ist, dass man wertfrei das Phänomen Stimmenhören als solches akzeptiert.
· Ein zweiter Schritt ist, nach Erklärungen zu suchen, wofür die Stimmen in der eigenen Biographie stehen, ihren Sinn zu verstehen oder ihnen Sinn zu geben.
· Der dritte Schritt heißt - wie von uns allen in der Pubertät durchlebt - schrittweise Autonomie gewinnen; gegenüber den Stimmen erwachsen werden, sie nicht jederzeit von uns selbst Besitz ergreifen lassen; ihre Meinung respektieren, aber auch die eigene Meinung vertreten lernen.

Am Ende eines langen Aneignungsprozesses sollte ein Arrangement gegenseitigen Verständnisses stehen, in dem Respekt und Differenz, Verletzung und Versöhnung selbstverständlich werden.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie merken schon, dass entgegen dem symptombezogenen Verständnis der medizinischen Psychiatrie es nicht Ziel ist, die Stimmen zu beseitigen, sondern vielmehr im Sinne eines inter-infra-therapeutischen Prozesses eine gemeinsame Lebensform zu finden.

Seit Beginn der Forschungsarbeit von Prof. Dr. Marius Romme, Sandra Escher und ihren Kollegen in den Niederlanden über das Stimmenhören war es das Ziel, die neuen Erkenntnisse mit Stimmenhörern, psychosozial tätigen Personen und Organisationen in Europa und außerhalb Europas auszutauschen. Im Rahmen dieses internationalen Austauschs fanden Besuche in Maastricht sowie internationale Symposien, Vortragsreihen und Kongresse statt.

Ich selber war Anfang 1999 bei einem Stimmenhörerkongress in den Niederlanden als Repräsentant von Österreich gemeinsam mit einer unseren Begleitpersonen. Dieser Kongress war eigentlich die Abschiedsveranstaltung für Prof. Romme, der sich nach langjähriger Tätigkeit in Maastricht in den verdienten Ruhestand zurückzog. Für mich war der Besuch in Holland eine willkommene Abwechslung von meinem etwas tristen Leben in Linz. Ich habe früher selbst einige Jahre in Holland gewohnt und spreche fließend Holländisch, zumal meine geschiedene Frau aus Belgien stammt. ...

Linzer Selbsthilfegruppe Stimmenhören
Unsere Selbsthilfegruppe in Linz ist in Österreich die derzeit aktivste auf diesem Gebiet. Wir treffen uns jeden zweiten Mittwoch im Monat. Darüber hinaus haben wir noch eine Kerngruppe, die sich zweimal im Monat zu organisatorischen und inhaltlichen Belangen trifft.

In der nächsten Zeit planen wir in Linz einen Malworkshop mit dem Thema Den Stimmen Gestalt geben. Dieser Workshop wird von ausgebildeten TherapeutInnen betreut werden, und wir Stimmenhörer sehen voll Erwartung diesem Event entgegen. Im Konzept für den Workshop liest man: Wenn wir Bilder erschaffen, erschaffen wir Seele. Wenn wir Bilder entstehen lassen, geben wir der Seele Gestalt. ...

Ich bedanke mich für Ihr Interesse.
 
 

Angst sitzt!

Der in Selbstzweifeln
 ausgelöste innere Kampf,
der vorangegangenerweise
 durch Stimmen ausgelöst wurde,
in beschämender Weise
  deine Wege zu gehen,
weil du einerseits noch nicht weißt,
   wie gut du bist,
andererseits, aus seelischen Verletzungen,
  wo du danach
   deine Standpunkte
  deine Richtung
 deine Mauern im Leben
in einer Art und Weise
  aufgebaut hast,
dass der Widerspruch sich
   entweder im Fallen
oder neuen Mutfassen beginnen
     äußert.

     Andreas Galli
 
 

Die Frankfurter Selbsthilfegruppe

Wir sind eine Gruppe von Menschen, die eine oder mehrere Stimmen hören.

Durch regelmäßige Gruppentreffen möchten wir die Möglichkeit schaffen, über Probleme mit dem Stimmenhören zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen.

Das oft plötzliche Auftauchen der Stimmen macht am Anfang große Angst. Keiner kann sich erklären, woher diese Stimme oder diese Stimmen kommen. Viele Stimmen hörende Menschen haben Erfahrungen mit der Psychiatrie gemacht. Andere Menschen dagegen konnten sich weiterhin ohne diese Hilfe im Leben behaupten.

Gespräche mit Gleichgesinnten werden oft als hilfreich empfunden. Durch das Kennenlernen von bewährten Strategien und die Erarbeitung von neuen Strategien im Umgang mit den Stimmen hoffen wir eine Erleichterung im Alltag zu finden.

Wir freuen uns über andere Stimmenhörer und Stimmenhörerinnen, die sich uns anschließen wollen.

Wir treffen uns immer am ersten und dritten Dienstag im Monat um 17 Uhr im Psychosozialen Zentrum Gallus in der Speyerer Straße 3.

Um vorherige Anmeldung wird gebeten. Anmeldung und weitere Auskünfte unter der Telefonnummer 069-73 99 35 17.

Anneke Born
 
 

Bremen
Hallo, liebe Leute,
ich würde mich sehr freuen, mit euch in Kontakt zu treten und Erfahrungen auszutauschen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig der Kontakt zwischen Betroffenen für diese sein kann und wie wichtig es ist, auch trialogisch, sprich Betroffene, therapeutisch Tätige und Angehörige, miteinander umzugehen.
Als ich begann, Stimmen zu hören, war ich mit meinem Erleben völlig allein. Aufgrund meiner jahrelangen Beschäftigung mit dem Phänomen Bewusstsein, zum Beispiel durch Meditation auf der praktischen und alles Erreichbare lesen auf der theoretischen Seite, neigte ich zu einer eher esoterischen Deutung meines Erlebens. Dies schützte mich nicht davor, in geradezu erschreckender Weise unter meiner Stimme zu leiden und allmählich starke Einbußen in meiner Persönlichkeit festzustellen. Das Schlimmste jedoch war die fehlende Möglichkeit, über meine Erfahrungen zu kommunizieren.
Ich stellte schnell fest, dass professionelle Psychiatrie zwar schnell mit pathologischen Kategorisierungen und körperlich einschränkenden Medikamenten bei der Hand ist, bei der psychologischen Erfassung aber häufig jedes Einfühlungsvermögen vermissen lässt. Die Art und Weise, wie ich zu einer Übereinkunft mit meiner Stimme kam - was dafür sorgte -, dass ich seit über vier Jahren im Alltag keine Probleme mehr habe, ist zwar nicht auf andere übertragbar im Sinne einer praktizier- und wiederholbaren Methode, hat aber für mich den Vorteil, heute davon ausgehen zu können, dass im Zentrum allen Bemühens um Hilfe und Verbesserung der Lebensumstände die Akzeptanz der Persönlichkeit des Betroffenen stehen muss.
In der von mir gegründeten Gruppe habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele bereits sehr positiv und entlastet reagieren, wenn sie merken: hier nimmt man mein Erleben ernst. Ich bemühe mich unter anderem darum, meinen Betroffenen einen ersten Einblick in die Tatsache zu ermöglichen, dass die sich an das Phänomen Stimmenhören anschließenden persönlichen eigenen oder fremden Deutungsversuche am Kern des Problems vorbeizielen, zumal es keine alle zufriedenstellenden Deutungen gibt. Sich selbst und seine Entwicklungsmöglichkeiten zu erkennen und mit dem Erlebten als einer Realität umzugehen halte ich für wesentlich wichtiger.
Dies beleuchtet nur in Kürze, was in unserer Selbsthilfegruppe so passiert. Ich würde mich freuen, von euch zu hören, und hoffe, mit euch einen fruchtbaren Kontakt aufbauen zu können.

Unsere Gruppe trifft sich einmal im Monat am 2. Sonntag um 16 Uhr im Gesellschaftshaus im ZKH Bremen-Ost.
Torsten
 
 

Rezension: Stimmenhören verstehen und bewältigen
von Ron Coleman und Mike Smith

Dies ist ein sehr ungewöhnliches Buch, ein Arbeitsbuch für StimmenhörerInnen. Anders als in anderen Büchern, die mehr zum Nachlesen und Nachschlagen dienen, muss hier aktiv mitgearbeitet werden, sonst hat der Gebrauch des Buchs keinen Sinn.

Es stammt aus der englischen Selbsthilfebewegung der StimmenhörerInnen und wurde als Instrument der Selbsthilfe entwickelt. Durch Beantworten von Fragen, Erfüllung von Aufgaben, Aufschreiben der eigenen Biographie etc. nähert sich die Stimmen hörende Person immer mehr ihrem persönlichen Erleben an und erforscht es aus den verschiedensten Blickwinkeln.

In weiten Teilen geht es um Bewältigungsstrategien, wie zum Beispiel die Zeit zu strukturieren, die man mit den Stimmen verbringt. Hier ist es auch sehr wichtig - sofern möglich -, mit den Stimmen zu verhandeln und die Ergebnisse zu protokollieren. An keiner Stelle im Buch geht es darum, die Stimmen auf jeden Fall zum Verschwinden zu bringen. Es wird auch auf ihren Sinn verwiesen, zum Beispiel als Möglichkeit, mit belastenden Lebensereignissen fertigzuwerden. Schließlich geht es um die Entwicklung von Strategien im Umgang mit den Stimmen. Das Buch schließt mit dem ABC der Bewältigungsstrategien, einer alphabetischen Liste, mit den Stimmen umzugehen.

Das Buch ist ein sehr konstruktiver Beitrag zum Phänomen des Stimmenhörens, es kann beispielsweise in Therapie oder Selbsthilfegruppen sehr sinnvoll angewendet werden, um den persönlichen Umgang mit den Stimmen zu verbessern. Auf die Erfahrungen von StimmenhörerInnen mit diesem Arbeitsbuch kann man gespannt sein. Schade ist nur, dass der sehr schöne englische Titel Working with Voices mit Stimmenhören verstehen und bewältigen übersetzt wurde, ist es doch nicht automatisch so, dass wer seine Stimmen versteht, sie auch bewältigt.

Das Buch ist erschienen im Psychiatrie-Verlag und kostet 24,80 DM.
Julie Tränkle
 
 

Stimmen hörende Menschen aus Kunst, Gesellschaft und Religion

von Imke Skierlo

Wir setzen unsere Reihe mit einer Gestalt des Alten Testaments fort:

Samuel
Samuel war der letzte Richter Israels. Seine Eltern Elkana und Hanna blieben lange Zeit kinderlos. Hanna war darüber sehr unglücklich. Nach einer Begegnung mit dem Priester Eli im Tempel weissagte Eli ihr die Geburt eines Sohnes. Als Dank an Gott, von der Schmach der Kinderlosigkeit befreit zu sein, übergab Hanna Samuel noch als Kind an Eli als Diener (1. Sam 3, 1-21).

Ganz genau beschreibt die Bibel, wie bei Samuel erstmals die Stimme Gottes auftauchte:  ...Zu jener Zeit kam es nur noch selten vor, dass Gott der Herr zu einem Menschen sprach oder ihm im Traum erschien..... Eines Nachts schlief Eli an seinem gewohnten Platz, und auch Samuel schlief ... Die Lampe im Heiligtum brannte noch. Da rief der Herr: Samuel! Ja, antwortet der Junge, lief schnell zu Eli und sagte: Hier bin ich, du hast mich gerufen. Nein, sagte Eli, ich habe nicht gerufen. Geh wieder schlafen. Samuel ging und legte sich wieder hin.
Noch einmal rief der Herr: Samuel!, und wieder stand der Junge auf, ging zu Eli und sagte: Hier bin ich , du hast mich gerufen. Aber Eli wiederholte: Ich habe dich nicht gerufen, geh nur wieder schlafen!
Samuel wusste nicht, dass es der Herr war; denn er hatte seine Stimme noch nie gehört. Der Herr rief ihn zum dritten Mal, und wieder ging Samuel zu Eli und meldete sich. Da merkte Eli, dass es der Herr war, der den Jungen rief, und er sagte zu ihm: Geh wieder schlafen, und wenn du noch einmal gerufen wirst, dann antworte: Sprich Herr, ich höre! ...(Sam 3, 1-9)..

Samuel hat sein ganzes Leben lang immer wieder Gottes Stimme gehört. So befahl ihm Gott auf Drängen des Volkes hin, Saul als ersten König Israels einzusetzen, ließ das Volk aber auch gleichzeitig vor der Einsetzung einer Monarchie warnen. Gott selbst wollte Israels König sein und bleiben (1. Sam. 8). So hatte Samuel später auch die Aufgabe, Saul abzusetzen und an seiner Statt David als König einzusetzen (1. Sam. 16,13).
Imke Skierlo
 
 

Hallo!

Als schwer Traumatisierte mit einer Viele-Struktur bestand meine Selbsthilfe bis zum heutigen Tag darin, mich schlau zu machen, zu informieren. Besonders die Berichte von anderen Betroffenen waren für das eigene Verstehen und zur Stütze sehr wichtig.

Insgesamt kann man doch feststellen, dass die Aufklärung und somit Hilfe im Bereich DIS/MPS zunimmt und sich verbessert. Die Betroffenen selbst überwinden ihre Isolation, es entstehen immer mehr Selbsthilfezeitschriften und -gruppen.

Auch ich möchte nun einen Schritt weitergehen und übers Netzwerk eine Selbsthilfegruppe für Leute mit DIS/MPS gründen. Wer also in Berlin wohnt und Interesse hat: bitte melden!

Bettina B.
c/o Netzwerk Stimmenhören e.V.
 
 

Wege

Es ist Sommer.
Du sitzt auf einer Wiese,
grün und saftig,
unter einem Baum.

Du schaust auf die Blätter,
auf die Äste.

Sie verformen sich in
dick und dünn
wie Wege im Leben,
die genauso sein können.

Siehst du deine dünnen Wege?
Siehst du die dicken Wege?

Unehrlichkeit zu sich selbst,
Abwege
Glaube,
es gibt Wege des Lichts,
die stark sind
wie die starken Äste.

   Martin Hagel
 
 

Mitglied werden im Netzwerk Stimmenhören e.V.
Formular zum Online-Beitritt





Unsere Hauptziele sind, uns gegenseitig zu helfen und zu stützen und mehr Toleranz, Verständnis und Akzeptanz in der Gesellschaft für das Phänomen Stimmenhören zu erreichen.
Dabei setzen wir auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit und Partnerschaft von Stimmen hörenden Menschen, deren FreundInnen und Angehörigen und in psychiatrischer und psychotherapeutischer Praxis und Forschung Tätigen. Mitglied im NeSt kann jede/r werden, die/der unsere Ziele unterstützt und zu ihrer Verwirklichung beitragen möchte.

Das NeSt bietet:

Kommunikation
In Selbsthilfegruppen, trialogisch besetzten und therapeutisch begleiteten Gruppen besteht die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs und der aktiven Mitarbeit.

Unser kleines Stimmenhörerjournal
Mitgliederrundbrief des NeSt, informiert u.a. über Aktivitäten der Stimmenhörer-Bewegung im In- und Ausland, enthält Erfahrungsberichte, erscheint vierteljährlich und kann - unabhängig von der Mitgliedschaft - abonniert werden.

Fortbildungsseminare
Wir bieten zu unserem Thema ein- und zweitägige Seminare an, möglich ist aber auch der Besuch verschiedener Einrichtungen für eine zwei- bis dreistündige Kurzfortbildung. Damit möchten wir Verständnis wecken und einen neuen Zugang zum Stimmenhören vermitteln.

Koordination und Kooperation
Wir arbeiten mit anderen Verbänden zusammen, um die Diskussion zum Phänomen Stimmenhören auch dort voranzutreiben, indem wir u.a. auf ihren Veranstaltungen Vorträge halten und Arbeitsgruppen gestalten.

Veranstaltungen
Zu unserem Thema haben wir schon mehrere Tagungen durchgeführt und bieten diese auch weiter an.

Internet
Auf unserer Homepage www.stimmenhoeren.de im Internet finden Sie u.a. auch verschiedene Stimmenhörerjournale, sowie nationale und internationale Kontaktpersonen

 

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