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Unser kleines Stimmenhörerjournal

Inhalt Ausgabe 1/2000
Rundbrief Netzwerk Stimmenhören e.V.
4. Jahrgang




Seele und Körper sind eine Einheit

NeSt von innen

Nicht die Stimmen zum Schweigen bringen....

Stimme ist nicht gleich Stimme  ...

Arbeitsweise einer Trialoggruppe

Löcher im Himmel

Brief an den Vorstand (leider nicht in der Onlinefassung)

DGSP-Kurzfortbildung (leider nicht in der Onlinefassung)

Einladung zur  Mitgliederversammlung (leider nicht in der Onlinefassung)

Mitglied werden im NeSt
 
 


Seele und Körper sind eine Einheit

Durch einen Zeitungsartikel in der Berliner Morgenpost wurde ich auf das Netzwerk Stimmenhören in Berlin aufmerksam, der über den 1. Stimmenhörerkongress berichtete, und wandte mich an die dort angegebene Kontaktperson Hannelore Klafki, Expertin durch Erfahrung. Das war 1998. Seitdem bin ich in der Selbsthilfegruppe, in der sich nur stimmenhörende Menschen treffen und ihre Erfahrungen austauschen, und in der Trialoggruppe, in der  stimmenhörende Menschen, Angehörige und Professionelle, die sich beruflich mit dem Stimmenhören befassen, zusammenkommen.

Ich bin ein sehr gefühlsbetonter Mensch und nehme mir alles sehr zu Herzen, was so an Negativem auf mich einwirkt. Das macht mich auch so verletztlich. Mein Stimmenhören hat mit seelischen Verletzungen und daraus entstandener Angst zu tun. Ich könnte heute noch genau erzählen, wie aus jahrelang erlittenen psychischen Stresssituationen es zu dem Stimmenhören kam und wie ich darauf reagiert habe (verhaltensbedingter Lärm aus einer Gaststätte, von der ich als Bewohnerin eines leider sehr hellhörigen Hauses besonders betroffen bin, wie zum Beispiel durch Geräusche von elektrischen Anlagen und elektrischen Geräten im Haus, Demütigungen, falscher Schuldzuweisung eines ehemaligen Kollegen, Verleumdungen und übler Nachrede). Ich höre die Stimmen im Zusammenhang mit dem Gaststättenbetreiber immer nur in meiner Wohnung. Es ist, als höre ich die Gespräche der jungen Angestellten in der Gaststätte mit an, zusätzlich zu den echten Sprechgeräuschen, zum Beispiel über ihren Chef, den Betreiber der Gaststätte, den Pächter, über andere Angestellte der Gaststättte, über mich und andere an der bestehenden Konfliktsituation beteiligte Personen. Sie reden über die seit Jahren laufende Klage. Ich höre, wie sie über die Klageschrift reden, diese vorlesen und darüber diskutieren, wie sie weiter vorgehen wollen und wie sie die betroffenen Kläger nerven wollen, weil sie wissen, was an nervenden Geräuschen zu hören ist. Das geschieht den ganzen Tag und die ganze Nacht hindurch. Es ist nicht sehr laut zu hören, eher leise, aber es ist einfach da.

Ich habe immer versucht, das Gehörte zu überprüfen. Bin überall hingelaufen in der ganzen Wohnung, auf den Balkon, ob ich auch dort etwas höre. Ich dachte, das kann doch nicht sein, dass ich Tag und Nacht Gespräche mit anhören kann. Werden die Gespräche auf Tonband aufgenommen und nachts abgespielt? Warum sollte man so einen Aufwand betreiben? Ich bin an der Klage gar nicht beteiligt, aber besonders mitbetroffen von den zu hörenden Geräuschen. Wenn ich meine Lüftung im Bad anmachte und Wasser in die Badewanne einließ, waren die Gespräche trotzdem zu hören. Auch wenn ich den Staubsauger anhatte, hörte ich weiter die Stimmen (Gespräche). Beim Fernsehen steckte ich mir die Finger in die Ohren, um zu überprüfen, inwieweit ich noch etwas verstehen könnte. Das Gesprochene im Fernseher war leiser und nicht mehr so verständlich zu hören, nur wenn ich mich stark darauf konzentrierte, verstand ich etwas besser - aber die Stimmen waren trotzdem da. Ich setzte mir beim Fernsehen Kopfhörer auf, um einen Film in Ruhe genießen zu können. Bei ruhigen Stellen im Film hörte ich wieder die Stimmen (die Gespräche der Angestellten aus der Gaststätte) und auch zeitweise während des Films. Ich besorgte mir Ohropax, Ohrstöpsel und Lärmschutzkopfhörer, schon wegen der nervenden Geräusche aus dem Haus, die auch von anderen von den Gaststättengeräuschen betroffenen Hausbewohnern gehört werden. Ich stopfte mir die Ohren zu mit vom Gehörgeräteakustiker angepassten Ohrstöpseln und setzte die Lärmschutzkopfhörer auf. Auch das half wenig, die Stimmen waren trotzdem noch zu hören. Ich konnte kaum an etwas ganz anderes denken, die Stimmen waren gleichzeitig da.

1992 war es ganz besonders schlimm. Es war wie ein akustischer Albtraum im Wachzustand bei klarem Verstand. Ich hörte zum Beispiel, dass ich durch eine Videokamera beobachtet werde und dass sich der Betreiber und seine Mitarbeiter köstlich darüber amüsieren würden. Das hörte sich alles so realistisch an. Wenn ich mich umsah, um das zu überprüfen, hörte ich sie sagen: Jetzt sieht sie nach, wo das herkommen kann! Auch als ich ins Bad ging, wo gar kein Fenster ist, hörte ich die Stimmen sagen: Jetzt geht sie ins Bad.! Wir können dich auch da sehen! Als ich in die Küche ging, um mir ein Brot zu schmieren, und ein Messer in die Hand nahm, hörte ich: Das können wir ja auch machen, dich damit umbringen! So war das und noch anderes mehr. Es war der reinste Horror! Ich bekam panische Angst und suchte Hilfe. Die Angst und die Verzweiflung darüber löste Weinkrämpfe, einen fürchterlichen inneren Spannungsdruck bis in Brusthöhe und Herzrasen aus. Ich hatte Angst, verrückt zu werden, wenn ich von keiner Seite Hilfe finden würde. Vom Verstand her dachte ich, dass das Stimmenhören von all den mir Angst machenden Informationen und ebenfalls Angst machenden negativen Erlebnissen herkommt, die in meinem Unterbewusstsein gespeichert sind und durch permanenten psychischen Stress ins Bewusstsein gekommen sind (die Grenze zwischen Innenleben und Außenwelt durchlässig geworden ist und als von außen kommend gehört wird). Seele und Körper sind eine Einheit, das wird doch hierbei ganz deutlich, finde ich.

Als ich es vor lauter Angst zu Hause nicht mehr aushielt und nicht mehr zum Schlafen kam, suchte ich mir Hilfe im Krankenhaus. Es gab dort aber keine Hilfe. Meine zehn Tage im Krankenhaus in der Psychiatrie haben mir gezeigt, dass mir dort in keiner Weise Hilfe zuteil geworden ist. Außer der regelmäßigen Medikamenteneinnahme passierte nichts. Der Arzt hatte nie Zeit für ein persönliches Gespräch. Ich bin ja aus eigenem Antrieb ins Krankenhaus gegangen, weil ich einen Platz zum Schlafen brauchte, denn außerhalb der Wohnung hörte ich keine Stimmen mehr. Aber ich merkte bald, dass mir der Aufenthalt im Krankenhaus nichts brachte, und so beschloss ich, mich der Konfliktsituation zu Hause zu stellen und mich auch um meine privaten Angelegenheiten selbst weiter zu kümmern. Ich war zu der Zeit krankgeschrieben wegen seelischer und körperlicher Erschöpfung.

Diese schlechten Erfahrungen in der Psychiatrie wurden auch von anderen stimmenhörenden Menschen gemacht, wie ich von ihnen erfuhr. Deshalb fordern wir von der Psychiatrie und den dort Tätigen eine andere Sichtweise und Umgehensweise mit stimmenhörenden Menschen, damit sich die Stimmen nicht zu einer Psychose verdichten und verselbstständigen. Sie sollen sich mitverantwortlich fühlen und sich mit dem subjektiven Erlebnis des Einzelnen individuell aktiv auseinandersetzen. Dabei können ihnen die Erfahrungen des Netzwerks Stimmenhören e.V. und das internationale Netzwerk Intervoice und die dazu schon vorhandene Literatur sehr helfen.
Ina

Liebe NeSt-Mitglieder

Durch Zufall sah ich am heutigen Tage im ORB-Abendjournal den Beitrag über Stimmenhören. Darum entschloss ich mich spontan, Ihnen zu schreiben. Ich hoffe sehr, dass Sie hinter meinem Brief keine Scharlatanerie vermuten. Zum erklärenden Verständnis möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mich seit mehreren Jahren mit Reinkarnation beschäftige und schon mehrere Bücher darüber gelesen habe. Im Laufe der Zeit drang ich immer weiter in die Materie vor und stellte dabei fest, dass es eine ganze Reihe von Psychologen gibt, die ihre Patienten durch Reinkarnation heilen konnten.

Neugierig geworden, ging ich zu einer Rückführung, die im örtlichen Esoterikladen stattfand. Leider war dieses Geld von mir fast umsonst bezahlt worden, da ich einfach nicht in diesen notwendigen Alpha-Zustand gleiten konnte.

Als Kind bereits mit schlimmen Angstzuständen belastet, wollte ich eine Erklärung bzw. Befreiung für meinen seelischen Zustand erreichen.

Durch das Lesen des Handbuches der Reinkarnationstherapie von Trutz Hardo, welcher in Berlin praktiziert, wurde als weiterführende Literatur das Buch Besessenheit und Heilung von Edith Fiore genannt. Ich bestellte es und las es mit wachsendem Interesse für mich selbst und meine Lage (ISBN 3-931 652-08-4).

In diesem Buch wurden u.a. verschiedene Fallbeispiele für geistige Besessenheit einschließlich Stimmenhören erläutert und Möglichkeiten aufgezeigt, sich von derartigen Dingen zu befreien. Ich möchte Ihnen dieses Buch wärmstens empfehlen und wäre für eine Antwort dankbar egal ob diese positiv oder negativ ausfällt.

Für die Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute und verbleibe

Mit freundlichen Grüßen
Marion Wegertseder
 
 

Nicht die Stimmen zum Schweigen bringen, sondern das Problem lösen

Stimmenhören ist für mich eine Selbstverständlichkeit seit früher Kindheit. Denn ein Kind ist auf die Mitteilungen seiner Eltern angewiesen, die aber nicht immer bei ihm sind. Um Fehler zu vermeiden, muss das Kind sich an das erinnern, was ihm gesagt wurde. Abstrakt veranlagte Kinder werden vielleicht schlicht die Konsequenzen ziehen: bei Regen zieht man ein Cape an, weil man sonst nass wird. Kinder mit lebendigem Geist und gutem Gedächtnis aber werden sich erinnern, dass es die Mutter war, die das gesagt hat, und sie erinnern sich an die Stimme der Mutter. Hätte es die Tante gesagt, würden sie sich an die Stimme der Tante erinnern.
Was, um Gottes Willen, ist daran ungewöhnlich? Das erfahren viele Menschen erst beim Psychiater, der das für eine schwere, gar ererbte Geisteskrankheit hält. Wenn das Kind Töne hört und singend wiedergibt, hält niemand das für geisteskrank.

Natürlich geht man oder wird gebracht zum Psychiater nur, wenn man Probleme hat, etwa Zweifel wegen einer anstehenden Entscheidung. Was ist aber krankhaft an der Frage, was andere zu dem Problem sagen würden, und was ist krankhaft daran, wenn man diese Kommentare in den Stimmen dieser anderen hört? Gar nichts.
Krankhaft ist, wenn man das Problem nicht in einer vernünftigen Zeit lösen kann, weil die Stimmen anders wollen als man selbst oder weil sie sich untereinander widersprechen.

Und nun folgt die fundamentale Kritik der verunsicherten oder verwirrten StimmenhörerInnen in aller Welt an der meist praktizierten Psychiatrie: es geht nicht darum, die Stimmen zum Schweigen zu bringen, indem man das Gehirn und damit das Denken lahmlegt, sondern es geht darum, das Problem zu lösen.

Übrigens habe ich nie Stimmen gehört, die mich verwirrt hätten. Vielmehr habe ich 1940, in der totalen Mördergesellschaft geboren, viel Verwirrtes von anderen gehört, die erst das Gute meist hieß es Pflicht im Massenmord suchten und dann, kaum dass sie ihre bluttriefenden Hände gewaschen hatten, sagten, sie hätten gar nicht gewusst, was sie taten. Vor allem aber wurde, wie von der Nazi-Nachfolgepsychiatrie beschlossen (u.a. Prof. Buerger-Prinz, Hamburg), geschwiegen, sodass die inneren Fragen umso lauter wurden. Wer das Pech hatte, freiwillig oder unter Zwang an PsychiaterInnen zu geraten, wurde mit der chemischen Keule ruhiggestellt. So auch ich, weil ich die Rolle meiner Eltern im Widerstand gegen Hitler ergründen wollte. Nach 40 Jahren Recherche kann ich mit Urkunden belegen, dass es sich bei mir um politische Folter handelte. Es gibt Unzählige, denen das Beibringen solcher Urkunden nicht gelang und die bis heute berufs- und gesellschaftsunfähig in psychiatrischen Anstalten sitzen. Nach der Neuroleptika-Folter hörte ich zum ersten Mal ungewohnte stimmenähnliche Geräusche, wie wenn ein Tonband verkehrtherum läuft. Sie dauerten immer nur einige Sekunden, vor allem bei Ermüdung und schwülem Wetter, kamen aber in länger werdenden Abständen monatelang wieder. Erst auf Rückfrage bestätigten mir erfahrene Psychiater, das sei als Neuroleptika-Folge bekannt. Im Medizinstudium habe ich das nicht gelernt und auch in keinem Lehrbuch oder Beipackzettel von Psychopharmaka gelesen. Ich fürchte, bis heute wissen viele Psychiater das nicht, halten diese Art von Stimmenhören für Ausdruck der Krankheit, geben mehr Neuroleptika und zerstören damit das Hör-Sprach-Lese-Schreibzentrum endgültig. Denn nicht alle sind in Selbstbeobachtung und deren Darstellung mit Worten so geschult wie ich, und bei diesen weniger Geübten die Art der Stimmen auseinanderzuhalten, fehlt meist die Zeit, wie ja auch meist die Zeit fehlt, die Probleme zu bearbeiten, vor allem im Nazi-Nachfolge-Land Deutschland, dessen Psychiatrie schon rein unterbewusst die braunen Gewohnheiten noch nicht aufgearbeitet hat. Im Gegenteil haben sie sich in der Brüsseler Bioethik-Konvention erneut ausgebreitet.

Als Arzt arbeite ich heute am liebsten mit den mehr als 20 homöopathischen Mitteln gegen Stimmenhören. Von den psychiatrischen Kollegen ist zu fordern, dass sie selbst Neuroleptika einnehmen, und zwar lange genug, um sodann nach dem Sprichwort zu arbeiten: was du nicht willst, das man dir tut, das füg´ auch keinem anderen zu. In der Bibel nennt man das das Zweite Gebot.
Dr. med. Heinz Gerhard Vogelsang
e-mail; Arzt111@gmx.net
 
 

Stimme ist nicht gleich Stimme

Gut gelaunt nimmt Jessica vor dem Einschlafen ein Buch, das ihr eine Freundin zum Geburtstag geschenkt hatte, zur Hand. Lies diese Schwarte nicht! läßt sich plötzlich eine unangenehm klingende Stimme vernehmen. Jessica sieht sich forschend um, kann aber nichts Verdächtiges entdecken. Vielleicht hat die schwerhörige Nachbarin ihren Fernseher wieder auf volle Lautstärke eingestellt. Oder eine Etage tiefer schimpft der gestresste Familienvater mit seinen lebhaften Kindern, denkt sie und vertieft sich in das Buch. Du darfst jetzt nicht lesen, stößt die Stimme wieder hervor. Öffne das Fenster und springe vom Balkon herunter! Dalli, dalli! Na, wirdrsquo;s bald? Vor Schreck ist Jessica wie gelähmt. Wenn Du nicht tust, was ich dir sage, du geistesschwache Matschbirne, werde ich nicht lange fackeln und dich töten!

Einer Ohnmacht nahe hängt Jessica im Sessel wie ein Fragezeichen. Hilfe, ich höre Stimmen! denkt sie. Das hat mir gerade noch gefehlt. Willkommen im Club, hört Jessica es füstern. Häh? Darf ich mich vorstellen? Amadeus Redlich ist mein Name. Ich bin Teil einer höheren Intelligenz. Bitte gehe auf Empfang. Da ist sie wieder, diese unheimliche Stimme. Keine Angst!  Lass mich gefälligst in Ruhe! Ich will dir nichts Böses, im Gegenteil. Das ist ja wirklich ätzend. Stimme ist nicht gleich Stimme. Höre bitte genau hin. Merkwürdig, diese Stimme klingt ganz anders so sanft schwingend und freundlich, so lieb und vertraut. Es gibt noch mehr gravierende Unterschiede. Zum Beispiel? Sanfte Stimmen verfahren nicht nach dem Motto: Alles hört auf mein Kommando, sondern sie geben allenfalls Empfehlungen. Ihr Umgangston ist höflich, aber bestimmt. Außerdem machen sich sanfte Stimmen in der Regel nur bemerkbar, wenn sie gerufen werden. Ich habe dich nicht gerufen. Aber ich habe laut und deutlich deinen Hilferuf gehört. Im Gegensatz zu dir täusche ich mich so gut wie nie. Kein Wunder. Diese Ekelstimme hat mir vorhin tierische Angst eingejagt. Bitte beruhige dich. Furcht und Schrecken zu verbreiten liegt sanften Stimmen völlig fern.
Außer mir ist weit und breit keine Menschenseele zu sehen. Kein Zweifel. Ich halluziniere. Das ist nichts Besonderes. Alle Menschen haben hin und wieder akustische und optische Halluzinationen. Sie nennen es träumen. Von dieser Warte aus habe ich die Dinge noch gar nicht betrachtet. Stimmenhören ist ein uraltes, in allen Kulturen verbreitetes Phänomen, von dem schätzungsweise immerhin zwei bis fünf Prozent der Bevölkerung betroffen sind. Zum Glück setzt allmählich dahingehend ein Umdenken ein, dass Stimmenhörende nicht zwangsläufig geisteskrank sind. Bislang dachte ich, das passiert nur anderen, nicht mir. Dank dieser Gabe befindest du dich in bester Gesellschaft, zum Beispiel mit Sokrates, Jesus Christus, Hildegard von Bingen, Johanna von Orléans, Johann Wolfgang von Goethe, Mahatma Gandhi. Diese Aufzählung ist garantiert nicht vollständig. Wofür sind sanfte Stimmen gut? Sie helfen dir, das Stroh in deinem Kopf zu Gold zu spinnen. Mit anderen Worten: Ich bin dein Genius, der dich ab und an mit Geistesblitzen beglückt, deine Phantasie beflügelt und dir ermöglicht, dein geistiges Potential voll auszuschöpfen. Große Künstler, geniale Erfinder, weise Führungspersönlichkeiten sowie Leuchten der Wissenschaft haben sich diese einzigartige Quelle der Inspiration erfolgreich zunutze gemacht.
Was du dauernd mit dieser Pfeife zu quasseln hast! Hilfe, die Ekelstimme gibt wieder Verbalmüll von sich. Allein die Tatsache, dass du auf Anhieb sanfte von Ekelstimmen unterscheiden kannst, spricht dafür, dass du nicht verrückt, sondern im Vollbesitz deiner geistigen Kräfte bist.
Aber nicht mehr lange! Sei endlich still, damit ich hören kann, was die sanfte Stimme mir flüstert. Papperlapapp! Du vergeudest nur das bisschen Zeit, welche dir noch zum Leben bleibt. Wie kann ich Ekelstimmen dazu bewegen, nicht dazwischen zu reden?
Ich bitte dir gern Hilfe zur Selbsthilfe an, haucht Amadeus. Wenn unsanfte, furchteinflößende Stimmen dich nerven, frage sie nach ihrem Namen. Fordere sie auf, ganz langsam und deutlich zu sprechen. Stimmen, welche wie eine mit falscher Geschwindigkeit gespielte Schallplatte klingen, sind Ekelstimmen. Höre nicht auf sie und weise Drohungen und Beleidigungen beispielsweise mit den Worten: Ruhe in meinem Kopf! energisch zurück. Und das hilft wirklich? Es ist kein Allheilmittel, aber eine von Betroffenen seit langem erfolgreich angewandte Methode, um Zerrstimmen fernzuhalten.
Fülle die Badewanne mit kochend heißem Wasser und setze dein Kind hinein! brüllt die Ekelstimme. Was fällt dir ein, mich mit solchem Unsinn zu belästigen? Tu, was ich dir sage! Nenne deinen Namen! Ich bin Timor Phobus Schädlich. Sprich ganz langsam. Bist du taub? Ich bin Schädlich. Timor Phobus. Das heißt so viel wie Angst und Schrecken. Deine Stimme klingt ekelhaft verzerrt. Ruhe in meinem Kopf!
Gratuliere, flüstert Amadeus. Du hast die Mutprobe bestanden und dich gegenüber der Ekelstimme furchtlos behauptet. Nun weißt du, was zu tun ist, um die Spreu vom Weizen zu trennen, bzw. Schädlich und Redlich zweifelsfrei voneinander zu unterscheiden. Danke, dass du mich von Timor Phobus befreit hast. Freu dich nicht zu früh. Heißt das, ich muss damit rechnen, auch in Zukunft hin und wieder von Ekelstimmen belästigt zu werden? In der Regel lassen die Zerrstimmen mit der Zeit wesentlich seltener von sich hören als in den ersten Monaten nach Beginn des Stimmenhörens. Wie kommt das? Zerrstimmen signalisieren, dass Menschen analog zu lebensfeindlichen, stofflichen Prozessen und Kräften (Hardware) gelegentlich auch mit lebensfeindlichen geistigen Kräften und Prozessen (Software) konfrontiert sind. Du sprichst in Rätseln, Amadeus. Also reden wir Klartext. Für körperliche wie für geistige Nahrung gilt: nicht alles und jedes ist gut bekömmlich. In diesem Zusammenhang bietet sich der Vergleich mit dem Pilzesammeln an. Steinpilze, Pfifferlinge und Maronen z.B. kannst du getrost verspeisen. Aber du würdest bestimmt keinen Grünen Knollenblätterpilz in deinen Korb legen. Mit anderen Worten: Sanfte Stimmen sind eine geistige Bereicherung. Ekelstimmen hingegen vergiften Geist und Seele. Sobald Stimmenhörende diese Lektion verinnerlicht haben, sind sie gegen Gefahren, welche von den Zerrstimmen drohen, weitgehend gefeit.
Aha! Diese Herangehensweise ist also der Schlüssel, um das Stimmenhören relativ problemlos in das Alltagsleben zu integrieren? So ist es. Vielleicht sollten Stimmenhörende wie vor Jahren die Homosexuellen an Prominente appellieren, sich zu outen. Kürzlich hat der Hollywood-Schauspieler Anthony Hopkins in einem Fernsehinterview über seine Erfahrungen mit den Stimmen berichtet. Wer aus eigener Kraft jedoch nicht damit zu Rande kommt, braucht dringend therapeutische Hilfe. Gibt es wirklich keine Alternative zu Psychopharmaka mit ihren starken Nebenwirkungen, welche nicht einmal die Gewähr dafür bieten, dass die Stimmen verstummen? Als Quelle deiner Inspiration werde ich jedenfalls alles tun, was in meiner Macht steht, um dich, so gut es geht, von den Zerrstimmen (geistigen Störfeldern) abzuschirmen, sagt Amadeus. Gut zu wissen. In meiner Vorstellung funktioniert dieser Vorgang so ähnlich wie das Antivirusprogramm oder das Defragmentieren eines Computers, bzw. die Reparatur eines nicht entstörten Gerätes, welches den Empfang des regulären Programms zeitweise beeinträchtigt. Ganz lassen sich die Ekelstimmen erfahrungsgemäß nicht zum Schweigen bringen. Von Zeit zu Zeit sind die Störfelder so stark, dass sich der schädliche Einfluss von Timor Phobus nur zurückdrängen, aber leider nicht vollkommen ausschalten lässt. Schreck lass nach! Nobody is perfect, seufzt Amadeus. So ist das Leben. Höre auf meinen Rat und mache trotzdem das beste daraus. Was bleibt mir anderes übrig, fragt Jessica gähnend.
Danach herrscht eine Weile Funkstille.
Amadeus, bist du noch da? Selbstverständlich. Du weißt ja, die ich rief, die Geister, werd ich nicht mehr los. Je mehr ich über unser Zwiegespräch nachdenke, desto weniger möchte ich Redlichs sanfte Stimme missen, ganz im Gegensatz zu Schädlichs Ekelstimme. Freut mich zu hören. Was du sagst, klingt logisch und plausibel, auch wenn ich es manchmal nicht gleich verstehe und mir das Stimmenhörphänomen immer (noch) nicht genau erklären kann. Ich möchte dein Wissen gern als zusätzliche Quelle der Erkenntnis nutzen und auf diese Weise meinen geistigen Horizont erweitern. Geht klar. Das ist ja auch der Sinn der Übung. Ich habe noch so viele Fragen an dich, Amadeus. Lass uns später darüber reden. Ab Mitternacht machen sanfte Stimmen in der Regel ein paar Stunden Sendepause. Du hast recht, morgen ist auch noch ein Tag, sagt Jessica und legt sich beruhigt schlafen.

- akoe -
 
 

Arbeitsweise einer Trialoggruppe Stimmenhören
(z.B. in Berlin)

Zeitstruktur
Die Trialoggruppe trifft sich abgesehen von der Sommerpause an jedem 2. und 4. Donnerstag eines Monats. Die Sommerpause beginnt Ende Juni, ihre Länge wird von den Teilnehmenden festgesetzt. Die einzelnen Sitzungen dauern 2 Stunden, inclusive einer festgelegten Pause in der Mitte.

Freiwillige Teilnahme
Jede Person entscheidet für sich selbst, zu welchem Zeitpunkt ihrer Erfahrung sie sich in welcher Weise anderen zeigt oder sich deren Erfahrungen öffnen will. Eine punktuelle Teilnahme an einem bestimmten Thema oder ein vorsichtiges Hineinschnuppern ist möglich, obwohl kontinuierliche Teilnahme die gemeinsame Diskussion einfacher macht.

Möglichkeit, anonym zu bleiben
Es ist möglich, auch unerkannt an der Trialoggruppe teilzunehmen. In jedem Fall sollte es jedem überlassen bleiben, wann er etwas von sich einbringen möchte.
Dialog zwischen stimmenhörenden Menschen, Angehörigen und Mitarbeitern steht im Mittelpunkt
Die Besonderheit des Austauschs einer Trialoggruppe entsteht aus der Teilnahme der drei am meisten am Stimmenhören beteiligten Gruppen. Stimmenhörende Menschen können fremden Angehörigen meist leichter die eigene Betroffenheit abnehmen, umgekehrt können Angehörige fremden Stimmenhörenden besser zuhören. Professionelle können jenseits der eigenen Verantwortung unbefangener und vollständiger die Aspekte des Stimmenhörens wahrnehmen, die ihnen sonst entgehen, und besser auf die eigenen Anteile der Begegnung achten.
Die Trialoggruppe ist eine hervorragende Lernveranstaltung
Nirgendwo sonst können Menschen, die lernbereit sind, so dicht alle beim Stimmenhören beteiligten Perspektiven kennenlernen. Nirgendwo sonst werden sie authentisch auf die Subjektivität der Erfahrung des Stimmenhörens und die Relativität aller Hilfebemühungen hingewiesen.
 

Moderation
Anzahl der ModeratorInnen
Die Diskussionen in der Trialoggruppe werden von einer Gruppe von ModeratorInnen angeleitet, die sich möglichst aus allen drei Teilnehmergruppen zusammensetzt.

Aufgaben der Moderationsgruppe
Eine/r der drei ModeratorInnen übernimmt pro Sitzung die Hauptleitung und wird dabei von den beiden anderen unterstützt. Neben der Aufgabe der Gesprächsleitung achten die drei vor allem auf folgende Punkte:
· Die Themen sollten so formuliert sein, dass sich möglichst alle drei Gruppen angesprochen fühlen.
· Direkte Fragen und Bemerkungen zwischen den Gruppen haben Vorrang, denn sie machen den Erfahrungsaustausch lebendig.
· Die drei Gruppen sollten ausgewogen beteiligt sein. Wenn die Meinung oder Perspektive einer Gruppe fehlt, ist es Aufgabe der Moderation, eine Ermutigung auszusprechen oder entsprechende direkte Fragen zu stellen. Wenn eine Gruppe eine andere zu dominieren versucht, ist es Aufgabe der Moderation, den Konflikt zu benennen. Es ist Sache der ganzen Gruppe ihn zu lösen.

Moderation nicht überschätzen
Ein Moderator, eine Moderatorin ist kein Lehrer. Die Moderation soll das Gespräch erleichtern, aber nicht bestimmen. Die moderierende Person sollte bei allen Gruppenmitgliedern eine gewisse Anerkennung genießen.. Viele Konflikte, z.B. Vielreden eines Teilnehmers, lassen sich in der Gruppe selbst oder im Rahmen einer Teilgruppe viel besser regeln, als durch eine autoritäre Moderation.

Inhalte
Grundfragen
In der Trialoggruppe geht es vor allem um drei Grundfragen:
1. Wie ist Stimmenhören umfassend und eben nicht nur medizinisch zu verstehen?
2. Was brauchen stimmenhörende Menschen und was brauchen Angehörige und Mitarbeiter, um zu einer offenen und ehrlichen Begegnung und Auseinandersetzung in der Lage zu sein?
3. Was brauchen stimmenhörende Menschen, um wieder Herr oder Herrin im eigenen Hause zu werden?

Themen gemeinsam festlegen
Verschiedene Themen erlauben einen immer neuen Zugang zu den drei Grundfragen. Die Themen werden gemeinsam festgelegt und sollten nicht von einer Person oder Teilgruppe dominiert werden. Die Themen werden entweder am Ende einer Sitzung für die kommende Sitzung festgelegt oder sie werden für einen längeren Zeitraum abgesprochen.
Themen richten sich immer an alle drei Gruppen
Am fruchtbarsten sind Diskussionen zu Themen, die so formuliert sind, dass sich alle drei Gruppen angesprochen fühlen. Daher sollte z.B. beim Thema Angst nicht nur die der Stimmenhörenden, beim Thema Schuldgefühl eben nicht nur das der Angehörigen und beim Thema Macht eben nicht nur die der Professionellen besprochen werden.

Der subjektiven Perspektive genügend Raum geben
Die Trialoggruppe bietet Raum, Geschichten zu erzählen, denn die persönliche Erfahrung aller Beteiligter hat Vorrang.

Sinnsuche
Stimmenhören wird oft von der allgemeinen Lebenserfahrung abgekoppelt. In der Trialoggruppe ist Raum, das Stimmenhören vollständiger wahrzunehmen und es auf seinen Sinn zu befragen. Die Sinnsuche geschieht dabei auf einer mittleren" Ebene, nicht tiefenpsychologisch analytisch und nicht abstrakt gesellschaftstheoretisch, sondern irgendwo dazwischen.

Streitkultur
Es gibt viele Wahrheiten. Es ist nicht Aufgabe der Trialoggruppe, Meinungen zu vereinheitlichen. Unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen haben Platz auch und gerade zu so sensiblen Themen wie z.B. Neuroleptika u.a.
Es kann auch nicht Sinn der Gruppe sein, unterschiedliche Interessen und Standpunkte zu leugnen. Vielmehr geht es darum, verschiedene Standpunkte besser kennenzulernen und eine gemeinsame Sprache, bzw. Streitkultur zu entwickeln, um so Konflikte inhaltlich auszutragen.

(In enger Anlehnung an die von Thomas Bock, Dorothea Buck und Ingeborg Esterer erarbeiteten Richtlinien für Psychose-Seminare)
 


Löcher im Himmel

von Imke Skierlo


So heißt ein Buch, das ich gerne vorstellen möchte. Vielleicht weckt, aber bestätigt dieses Buch mancherlei Ängste, Befürchtungen.

Viele Stimmen hörende Menschen haben den Eindruck, von real existierenden Menschen psychoterrorisiert zu werden.
Ich selbst arbeite beim Rundfunk und zerbreche mir seit Jahren den Kopf, ob ich nicht doch gezielt von lieben Kollegen gestört werde!

Aus dem Text des Buches geht hervor, dass die Militärs und Geheimdienste der Welt schon lange mit solchen Methoden experimentieren, dass man sogar Halluzinationen künstlich herstellen kann...

Hier einige Ausschnitte aus dem Buch:
Bereits 1958 erfand Patrick Flanagan das Neurophon.
Das Neurophon wandelt Töne (Sprache und Musik) in elektrische Impulse um, die von jedem Punkt der Hautoberfläche unter Umgehung des Ohrs und des gesamten Hörapparats direkt ins Gehirn geleitet werden können. (Seite 233)
Es mehren sich Beweise, dass es Wissenschaftlern gelungen sein könnte, Methoden der Telepathischen Hypnose, also der hypnotischen Beeinflussung von Personen über hunderte von Kilometern, zu perfektionieren. (S. 253)
Mit einem entsprechenden elektromagnetischen Feld lassen sich zum Beispiel die gleichen Wirkungen erzielen wie mit Psychopharmaka. (S. 254)
Es kann viele Jahre dauern, bis Erkenntnisse aus den High-Tech-Forschungszentren des Militärs bis zum praktizierenden Arzt durchsickern. In der Zwischenzeit hat das Militär freie Bahn, mit den neuen Technologien, die zum Wohle der Menschheit genützt werden könnten, lebensfeindliche Waffensysteme zu entwickeln. (S. 255)

Manning, Jeanne & Begich, Nick
Löcher im Himmel
Der geheime Ökokrieg mit dem Ionosphärenheizer HAARP.
Zweitausendeins-Verlag, 1996
ISBN: 3-86150-200-3
Imke Skierlo
 


Mitglied werden im Netzwerk Stimmenhören e.V.
Formular zum Online-Beitritt

Unsere Hauptziele sind, uns gegenseitig zu helfen und zu stützen und mehr Toleranz, Verständnis und Akzeptanz in der Gesellschaft für das Phänomen Stimmenhören zu erreichen.
Dabei setzen wir auf eine gleichberechtigte Zusammenarbeit und Partnerschaft von stimmenhörenden Menschen, deren FreundInnen und Angehörigen und in psychiatrischer und psychotherapeutischer Praxis und Forschung Tätigen.
Mitglied im NeSt kann jede/r werden, die/der unsere Ziele unterstützt und zu ihrer Verwirklichung beitragen möchte.

Das NeSt bietet:
Kommunikation
In Selbsthilfegruppen, trialogisch besetzten und therapeutisch begleiteten Gruppen besteht die Möglichkeit des Erfahrungsaustauschs und der aktiven Mitarbeit.

Unser kleines Stimmenhörerjournal
Mitgliederrundbrief des NeSt, informiert u.a. über Aktivitäten der Stimmenhörer-Bewegung im In und Ausland, enthält Erfahrungsberichte, erscheint vierteljährlich und kann - unabhängig von der Mitgliedschaft - abonniert werden.

Fortbildungsseminare
Wir bieten zu unserem Thema ein- und zweitägige Seminare an, möglich ist aber auch der Besuch verschiedener Einrichtungen für eine zwei- bis dreistündige Kurzfortbildung. Damit möchten wir Verständnis wecken und einen neuen Zugang zum Stimmenhören vermitteln.

Koordination und Kooperation
Wir arbeiten mit anderen Verbänden zusammen, um die Diskussion zum Phänomen Stimmenhören auch dort voranzutreiben, indem wir u.a. auf ihren Veranstaltungen Vorträge halten und Arbeitsgruppen gestalten.

Veranstaltungen
Zu unserem Thema haben wir schon mehrere Tagungen durchgeführt und bieten diese auch weiter an.

Internet
Auf unserer Homepage (www.stimmenhoeren.de ) im Internet finden Sie u.a. die bisher erschienenen Stimmenhörerjournale, sowie nationale und internationale Kontaktpersonen





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